, Christoph Winder

Derschreim

Gerade noch zu schaffen

Unlängst von einem Kollegen gehört: Er stecke bis zum Hals in Arbeit und wisse gar nicht mehr, wie er dazukomme, seine ganzen Artikel zu derschreim (=derschreiben).

Die Vorsilbe (!) "der", einem Verb vorangestellt, hat ja in Ostösterreich häufig die Funktion, auszudrücken, dass das, was mit dem Verb gemeint ist, gerade noch bewerkstelligt werden kann. Wenn etwas zu dermachen ist, so bedeutet das, dass etwas (gerade noch, mit Mühe) zu schaffen ist. Derrennen heißt: Gerade noch erreichen.

Berühmt ist eine Anekdote aus Torbergs "Tante Jolesch", welche von einem Stoßseufzer berichtet, den der Volksschauspieler Fritz Imhoff am Ende eines abendlichen Fressgelages von sich gab, als noch ein großes Tablett mit Gansleberbrötchen aufgetragen wurde: "Tse, das wird ja net zum Derscheißen sein, morgen". Wolfgang Teuschls Wiener Dialektlexikon kennt noch das Dermerken (sich etwas merken, einprägen), das Derreiten (etwas fertig bringen) und das Derzaarn (schleppen, gerade noch tragen können). Jüngeren Datums als die genannten Ausdrücke ist - so glaube ich wenigstens - das Derblosn, ebenfalls im Sinne von: etwas schaffen, meistern.

Die meisten der genannten Ausdrücke sind bekannt und seit langem in Gebrauch, aber es hindert einen natürlich niemand dran, im Bedarfsfall neue Exemplare zu kreieren. Ich nehme an, dass die p.t. Leser ein paar Assoziationen zu diesem Thema und ein paar praktische Der-Bildungen beizusteuern haben. Die paar Postings werden ja wohl noch zum Derschreim sein.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart