, Christoph Winder

Gagaismus

Ein vertrotteltes Nomen

Dumm ist das Eigenschaftswort, Dummheit das Nomen. Wenn aber jemand gaga ist (laut Duden-Universalwörterbuch kommt das Wort vom lautmalerischen französischen gaga, ,kindisch' und bedeutet so viel wie ,trottelig')? Gibt es dazu ein Nomen, Gagatum, Gagaheit? In einem Gespräch ist mir unlängst das schöne Wort "Gagaismus" untergekommen, das zwar sehr charmant auf den Dadaismus anspielt, selbst aber keine Kunstrichtung bezeichnet. Wenn ich mich recht entsinne, benutzte der Sprecher den "Gagaismus", um damit auf die vertrottelte Stimmung an seiner Arbeitsstätte (ich sage nicht welcher) hinzuweisen: "Bei uns im Betrieb herrscht der volle Gagaismus". Im Internet findet man mehrere Hinweise auf "musikalischen Gagaismus", was wahrscheinlich auf Popbands anspielt, die besonders trottelhafte Musik spielen. Auf Spiegel Online wiederum habe ich folgendes Zitat gefunden: "Der Grünen-Politiker (Joschka Fischer) wehrte sich gegen den Vorwurf, er und seine Partei kämpften zu wenig für die Vermittlung der Reformen. ,Diese Diskussion bewegt sich in den fortgeschrittenen Stufen des Gagaismus', sagte Fischer."

Das Zitat stammt aus dem Jahr 2004 und beweist somit, dass der Gagaismus bereits eine Vergangenheit und ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Bei der fortschreitenden Vergreisung der Bevölkerung darf der Gagaismus in Europa aber gewiss auch mit einer strahlenden Zukunft rechnen.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
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