, Christoph Winder

Des Grauens

Tagtägliche Nervensägen

Grauen ist im engen, strengen Wortsinn eine durchdringende, erschütternde Emotion: Wer wollte bezweifeln, dass es in der Weltgeschichte tausende Orte des Grauens gegeben hat und gibt? Wenn man die Anzahl der Google-Treffer zur Richtschnur nimmt, dann scheint "Grauen" in der deutschen Gegenwartssprache allerdings auch sehr häufig in ironisch verzerrter Bedeutung verwendet zu werden, nämlich für nicht im eigentlichen Sinn grauenhafte, aber doch nervende und belästigende Phänomene und Personen, mit denen man es im Alltag zu tun bekommt.

Im Internet findet man Hinweise auf Veranstaltungen des Grauens, Gartenzwerge des Grauens, einen Messestand des Grauens, viele Websites des Grauens, Europameister des Grauens, Thomas Gottschalks Outfit des Grauens, Köche des Grauens und sogar auf ein Kondom des Grauens.

Falls den p.t. Lesern vergleichbar grauenhafte Menschen oder Dinge untergekommen sind, bitte ich um Mitteilung, möglichst unter genauer Angabe, wer etwa mit Koch des Grauens oder Abgeordneter des Grauens gemeint ist.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart