Yüs wü cün

Vom Spieltrieb der Medienmacher

foto: ap photo/mel evans
foto: ap photo/mel evans

Medienleute spielen gern. Das äußert sich etwa darin, dass sie jeden Polit-Slogan und jeden süffigen Filmtitel sofort begeistert aufgreifen und in heiterer Art modifizieren, um dadurch, erstens, zu beweisen, dass sie voll auf der Höhe der Zeit dahinsurfen und, zweitens, darüber hinaus lustige Häuser sind. Kein Wunder also, dass momentan ebenso viele Wort-Witze über Barack Obamas eingängiges Polit-Mantra "Yes we can" im Schwange sind wie über den neuen Bond-Film "Quantum of Solace". Beispiele gefällig?

In der Süddeutschen wird unter dem Titel "Yüs wü cün" auf einen Artikel hingewiesen, der sich mit der Frage auseinandersetzt, ob ein Türke Chancen hätte, deutscher Bundespräsident zu werden. "Jazz we can (believe in)" hieß ein Fundraiser für Barack Obama und Joe Biden in New York (Artikel in "Time Out"). Im Profil ist ein Beitrag mit "Yes we Kenia" übertitelt und so weiter und so fort.

Die Macher der Website "wallstreet-online" suchen nach einem pfiffigen Titel für einen Börsenbericht? "Ein Quantum Absturz". Spiegel-Online über den neuen Bond: "Ein Quantum Umsatz". Titel einer "Wetten, dass..?"-Fernsehkritik in der Frankfurter Rundschau: "Ein Quantum Qualität". Nochmals Spiegel Online, diesmal über Skandale bei der Formel 1: "Ein Quantum Prost". Die Süddeutsche über die profitablen finanziellen Auswirkungen für Bond-Drehorte: "Ein Quantum Reibach" und so weiter und so fort.

Für den Fall, dass die p.t. Leserinnen und Leser ihr eigenes Quantum Scherz zu den Wortspielaktivitäten der internationalen Medienkreativen zuschießen wollen - einfach hier posten: Yes you can!

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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