, Christoph Winder

Clintonistas

Im Kreis der Freunde und Förderer

In amerikanischen Nachwahlbeobachtungen und Analysen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Freunde, Förderer, Bekannte und Verwandte der Familie Clinton einen beträchtlichen Einfluss im Kabinett von Barack Obama ausüben: "This isn't lightly flavored with Clintons. This is all Clintons, all the time", zitiert etwa die Washington Post einen politischen Insider.

Für Menschen, die den Clintons nahe stehen, gibt es im Englischen eine ganze Reihe von Ausdrücken. Häufig stößt man auf die spanisch anmutenden Clintonistas, aber auch von Clintonians oder gar Clintonites habe ich gelesen (Clinonite, zu Deutsch Clintonit, ist nicht nur ein Clinton-Fan, sondern auch ein nach dem 1828 verstorbenen US-Senator DeWitt Clinton benanntes, im Jahre 1843 erstmals beschriebenes Mineral; cf. http://en.wikipedia.org/wiki/Clintonite).

Allerdings haben auch wir als Deutschsprachige einige sprachliche Möglichkeiten, wenn wir uns als Fan, Förderer oder Freund eines österreichischen Regierungsmitglieds outen wollen: Anhänger des Bundeskanzlers könnten Faymannianer, aber auch Faymannisten genannt werden (ein Faymannologe ist aber etwas anderes: Nämlich ein Erforscher des Regierungschefs). Schwerer tut man sich beim Vizekanzler: Pröllianer ginge nach meinem Sprachempfinden noch so hin, aber Pröllist oder Pröllerer wäre jenseits.

Schwierig auch die Frauenministerin, wegen des Doppelnamens: "Ich bin ein Heinisch-Hosekianer" oder "eine Heinisch-Hosekianerin" hört sich doch in beiden Fällen recht sperrig an. Klangschön und ausdrucksvoll erschiene mir hingegen Spindeleggerianer oder Spindeleggerist, für die Bewunderer des Außenministers.

Aber eher ich hier gleich die ganze Regierung durchmustere, übergebe ich das Wort lieber an die p.t. Leser. Möglicherweise hat ja auch der eine oder andere von ihnen einen Lieblingsminister und ein paar Ideen, wie man sich denn als Ministerfan am besten bezeichnet.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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