, Christoph Winder

Prinz von Burma

Geadelte Gegenstände

Gestatten: Eure Hoheit, Prinz von Burma.

foto: apa

Was mir im vergangenen Jahr auch noch untergekommen ist, ich aber zu erwähnen vergaß, ist der Prinz von Burma. Dieser Riesenrubin wurde bekanntlich im vergangenen November in Kärnten von der Polizei sichergestellt, nachdem er ein Jahr zuvor einem Juwelier in Mailand geraubt worden war. So spektakulär und wundersam aber ist die Beschaffenheit dieses Rubins, dass er, von wem auch immer, mit dem Prädikat "Prinz" geschmückt und somit also in den Adelsstand erhoben wurde.

Das alles ist schön und gut, nur sehe ich partout nicht ein, warum, bezogen auf die Dingwelt, ein Adelstitel ausschließlich Juwelen und anderen wertvollen Geschmeiden vorbehalten sein sollte. Ich für meinen Teil habe jedenfalls damit begonnen, auch in meinem eigenen Lebensraum emotional bedeutsame Gegenstände systematisch sprachlich zu adeln: Unsere Badewanne heißt neuerdings Earl vom Email, unser Esstisch Baron von und zu Hartholz, und das Laptop Vicomte de Pixel. Macht ziemlich Spaß. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass manche der p.t. Leser meinem Beispiel nachfolgen werden.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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