Schwarteln

Schillernd und bedeutungsreich

Ich arbeite momentan gerade an einem Text, in dem es um eine Sau geht. Bei meinen Recherchen zum Thema bin ich auf das - mir bis dato nicht geläufige - Wort "schwarteln" gestoßen. Ein schillerndes, weil mit einer Überfülle von Bedeutungen beladenes Wort: Wolfgang Teuschls Wiener Dialektlexikon offeriert gleich drei Schwartel-Erklärungen, nämlich "Rennen; verprügeln, onanieren", mithin also drei doch recht unterschiedliche Tätigkeiten, die man nicht durcheinanderbringen sollte, wenn man sich manch gröbere Peinlichkeit ersparen will.

Zum Glück wird man als Leser ja meist durch die syntaktische Konstruktion, in die das Schwarteln eingebettet ist, oder aber durch den Kontext, in dem es steht, zum korrekten Verständnis des Schwartelns hingeleitet. Im Satz "Ein 30jähriger Mann packt seinen Penis aus und fängt zu schwarteln an" (Internetbeleg) ist höchstwahrscheinlich nicht das "Rennen" gemeint. Umgekehrt wird wohl in dem Satz "rapid hat keine chance gegen einen gak in dieser form, der kollmann wird wieder zum tor schwarteln und dem hiden 3x einschenken" (aus einem Posting auf derstandard.at) kaum von der Selbstbefriedigung die Rede sein. Mit unterschiedlichen Bedeutungen haben wir es aller Wahrscheinlichkeit nach auch dann zu tun, wenn einmal behauptet wird, dass jemand geschwartelt ist, ein andermal aber, dass jemand geschwartelt hat. Wie auch immer: Das Wort "schwarteln" ist und bleibt kraft seines oszillierenden Sinnreichtums ein recht diffiziles Wort, das sorgsam gehandhabt werden sollte.

Möglicherweise können uns ja die p.t. Leser darin unterstützen, indem sie uns mitteilen, was denn das Schwarteln in ihrem hochlöblichen Privatwortschatz für eine Rolle spielt.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart