"Ich esse meine Darsteller prinzipiell nicht auf"

Oliver Mark
8. März 2009, 17:36
Oscar-Gewinner und "Ja!Natürlich"-Regisseur im Karrieretelegramm über Traumberufe, Vorbilder, Flops und schweinische Stars

"Ich habe meine Anonymität verloren", meint Stefan Ruzowitzky auf die Frage, was sich seit dem Gewinn des Oscars für seinen Film die "Fälscher" verändert hat. Der österreichische Regisseur hat vergangenes Jahr die begehrte Auszeichnung für den besten fremdsprachigen Film bekommen. Mit Computerspielen entspannt er sich vom beruflichen Stress, als Kind wollte er zuerst Spielzeugverkäufer und dann Bauer werden, meint er im E-Mail-Karriere-Telegramm von derStandard.at. Im Kino ist Ruzowitzky derzeit mit seinem Kinderfilm "Hexe Lilli" vertreten.

derStandard.at: Wie sieht der "typische" Arbeitstag von Stefan Ruzowitzky aus?

Ruzowitzky: Das Schöne an meinem Beruf ist, dass es keinen "typischen" Arbeitstag gibt...

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Ruzowitzky: ... und keine Durchschnittswerte.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Ruzowitzky: Computerspielen (obwohl ich manchmal den Verdacht habe, dass das in Wirklichkeit noch mehr stresst).

derStandard.at: Wer oder was nervt Sie in Ihrem Job am meisten?

Ruzowitzky: Warten.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg (neben dem Oscar) bzw. was der größte Karriereflop?

Ruzowitzky: "Tempo" - mein Einstieg ins Kinofilmemachendürfen, "All the Queen's Men" - schlechte Kritiken, wenige Zuseher.

derStandard.at: Hat sich Ihr Leben seit dem Oscar-Gewinn sehr verändert?

Ruzowitzky: Ich habe meine Anonymität verloren.

derStandard.at: Wie definieren Sie bei Ihren Filmen Erfolg (Zuseherzahlen, Kritiken, persönliche Zufriedenheit)?

Ruzowitzky: Das Erreichen der jeweils selbstgesteckten Ziele, Akzeptanz bei einem Publikum ist immer immer eines davon.

derStandard.at: Haben sie berufliche Vorbilder? Von welchen Regisseuren lassen Sie sich inspirieren?

Ruzowitzky: Eher von Filmen, Szenen, Momenten - die Zeit der Helden ist ein bisschen vorbei.

derStandard.at: Mit welchen Schauspielern würden Sie gerne arbeiten?

Ruzowitzky: Mit den großen Stars der Zukunft wie z.B. James Franco, Ryan Gosling, James McAvoy.

derStandard.at: Ist Hollywood für alle Filmschaffenden ein Ziel oder doch in erster Linie ein Mythos?

Ruzowitzky: Hollywood ist der Ort, wo internationale Filmprojekte zusammengebaut werden, die Hauptstadt des Mainstreamkinos. Das kann man wollen oder auch nicht.

derStandard.at: Wenn Ihnen ein Wunsch von Seiten der Politik erfüllt werden würde, welcher wäre das?

Ruzowitzky: In Bezug auf Film: Film und Creative Industries als Zukunftsbranche erkennen, wo wir tolle Voraussetzungen hätten, aber gerade vieles verschlafen.
In Bezug auf mich: Orden! Kam mir auf dem Opernball geradezu nackt vor.

derStandard.at: Welchen Traumberuf hatten Sie in der "Sandkiste"? Was wollten Sie als Kind werden?

Ruzowitzky: Zuerst Spielzeugverkäufer (weil man da das Spielzeug angreifen darf), dann Bauer (wegen der Tiere), dann Regisseur.

derStandard.at: Sie sind ja bei den "Ja! Natürlich"-Werbungen als Regisseur tätig. Was passiert mit den kleinen Schweinchen? Werden die verspeist?

Ruzowitzky: Ich esse meine Darsteller prinzipiell nicht auf. Es ist Ehrensache für "Ja!Natürlich", die schweinischen Stars eines natürlichen Todes sterben zu lassen. (om, derStandard.at, 9.3.2009)

Zur Person:

Stefan Ruzowitzky wurde am 25. Dezember 1961 in Wien geboren. Er maturierte in Linz und studierte Theaterwissenschaften und Geschichte an der Universität Wien. Der Spielfilm "Tempo" war 1996 sein Regie- und Drehbuchdebüt. Weitere Film, bei denen er für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnete: Die Siebtelbauern (1998), Anatomie (2000) und Anatomie 2 (2003) , Die Fälscher (2007) und Hexe Lilli (2009). Bei "Die Männer ihrer Majestät" (2001) führte er nur Regie.

Ruzowitzky dreht für die Agentur Demner, Merlicek & Bergmann die "Ja! Natürlich"-Werbungen. Auszeichnungen bekam er für seine Filme "Tempo", die "Siebtelbauern" und die "Fälscher". Letzterer erhielt 2008 den Oscar für den besten fremdpsrachigen Film.

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