Verdammt grün, verdammt gelassen

6. April 2009, 16:54
Gleich zum Einstieg macht der Autor Ingo Petz dem Leser klar, dass er anders ist: nämlich ein zorniger Metal-Fan, der mit dem Paradies überhaupt nichts am Hut hat bzw. für den das Paradies schon als Teenager eher Horrorfilme waren als Sonne, Süden und Strand.
Foto aus "Kiwi Paradise": Das Durchnittsessen in Otago
Trotzdem beschließt er bei sonntäglichem Rinderbraten mit Kartoffeln, nach Neuseeland, das Paradies schlechthin, auszuwandern.
Foto aus "Kiwi Paradise": Denkmal an den neuseeländischen Gummistiefel
Mit viel Selbstironie und guter Beobachtungsgabe erzählt er in seinem Buch "Kiwi Paradise" von seiner Reise nach und durch Neuseeland.
Foto aus "Kiwi Paradise": Ortsschild des real existierenden Hobbingen
Anstelle eines weiteren Reiseführers ist es aber vielmehr ein Blick in die Abgründe der neuseeländischen Seele mit ihren ganz speziellen Ängsten und Sorgen, die zum Teil recht absurd anmuten.
Foto aus "Kiwi Paradise": Die wahren Helden Neuseelands sind die Schafe
Mit einer großzügigen Portion Selbstironie beschreibt er seine Annäherung an Land und Leute und verzichtet dabei auf den verklärten Blick eines Auswanderers, der das Paradies entdeckt hat.
Foto aus "Kiwi Paradise": Oben blau, unten blau - die alltägliche Romantik im Südpazifik.
Die Fotoausstattung des Buches ist reduziert auf ein paar wesentliche Bilder, die nichts von der Landschaft Neuseelands zeigen. Dafür offenbaren sie den Charakter seiner Bewohner.
Foto aus "Kiwi Paradise": Ein gutgemeinter Hinweis für potentielle Selbstmörder.
Petz geht in seiner Suche nach dem Paradies sogar soweit, eine richtige Insel aufzusuchen - nämlich Tokelau. "Ich war davon überzeugt, dass Inseln aus einem Menschen nicht unbedingt einen besseren Menschen machten", schreibt er in seinem Buch. Und begiebt sich auf einen Flecken Erde, auf dem man "von überall das Wasser und das Ende sehen sollte, auf dem es keinen Flughafen, keine Kneipe und keinen Plattenladen geben sollte". Hardcore.
Foto aus "Kiwi Paradise": Ingo Petz in der Landestracht von Tokelau
Ingo Petz schreibt auf erfrischende Weise über einen Traum, den fast jeder von uns schon einmal geträumt hat. Dabei verzichtet er auf schwärmerische Verklärtheit und ersetzt sie durch Humor und Ironie und räumt mit dem Mythos Neuseeland auf, stellt seinen schrägen und weniger schrägen Bewohner vor und nimmt den Leser mit auf einen Ausflug in eine Welt, die für Nicht-Neuseeländer erst nach einiger Zeit und auch dann nur sehr schwer zu verstehen ist.
Foto aus "Kiwi Paradise": Ein gigantischer Hund im Wellblächstädtchen Tirau.
 
Ingo Petz"Kiwi Paradise", Reise in ein verdammt gelassenes LandDroemer VerlagISBN: 978 3 426 27433 0

Neuseeland Reise

mehr
  • Stilles Örtchen Nach Null-Null: Die Hundertwasser-Toilette in Kawakawa

    7 Postings
    Der im Jahr 2000 verstorbene Friedensreich Hundertwasser hinterließ seiner Wahlheimat Neuseeland eine Toilette. Die ist so gut besucht, dass bald ein Kulturzentrum dazukommen soll
  • Strophen der Sehnsucht Bei Sam Hunt im Norden Neuseelands

    11 Postings
    Wer Neuseeland verstehen will, sollte Sam Hunt kennen. Eine Reise zum populärsten Dichter des Gastlandes der Frankfurter Buchmesse 2012