, Christoph Winder

Kuschel-Blutsauger

Aus gemischten Gefühlsbereichen

Wenn derzeit es auf dem Buchmarkt etwas gibt, was den Namen Bestseller verdient, dann sind es die Vampirromane der Amerikanerin Stephenie Meyer. Die Süddeutsche ordnet dieses Phänomen in ein breiteres populärkulturelles Panorama ein und meint, dass "Fabelmonster, Vampire und Feen die Unterhaltungsindustrie erobern" und "Vampire einfach nicht totzukriegen zu kriegen sind". Ein Anzeichen für diesen Trend seien "die keuschen Kuschel-Blutsauger", von denen Meyers Romane nur so wimmeln.

In diesem Artikel aus der SZ hat das Kompositum "Kuschel-Blutsauger" sogleich mein Gefallen gefunden, und zwar deshalb, weil es zwei Wörter aus zwei gefühlsmäßig ganz unterschiedlich bewerteten Bereichen zueinander bringt und daher beim Leser umgehend einen Überraschungseffekt provoziert: Mit dem Kuscheln kombiniert man üblicherweise eher harmlose Begriffe wie die Ecke, den Rock, das Hotel oder den Kurs, nicht aber einen solch anrüchigen und brutalen wie den Blutsauger. Ebenso selten hört man ja auch von Kuschel-Henkern, Kuschel-Killern, Kuschel-Räubern, Kuschel-Rausschmeißern oder ähnlichem. Gesetzt den Fall, die p.t. Leser haben zu diesem Thema die eine oder andere kuschelige Assoziation, so bitte ich darum, sie der Allgemeinheit mitzuteilen.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart