Pate II: Konturloser GTA-Wettbewerber

16. Mai 2009, 10:18
Geschäfte verwüsten, Leute umbringen: Wenig Fantasie in dem nach dem fantasievollen Filmklassiker benannten Spiel

"Zusammengeschustert" ist eigentlich ein hübsches Wort, das viel zu selten zu lesen ist. Dabei beschreibt es punktgenau Leistungen menschlicher Schaffenskraft. Wie Der Pate II, das ein wunderbares Spiel sein könnte - wenn irgendein Teil davon ausgereift wäre.

Konturloser GTA-Wettbewerber

Dass sich der namensgebende Filmklassiker nur sehr peripher wiederfindet, verwundert zwar - aber es ist schließlich die freie Entscheidung des Anbieters, wenn er ein konturloser Me-Too-Wettbewerber von Grand Theft Auto sein will. Der Vergleich drängt sich bereits bei der Grafik des Spiels auf, die an GTA erinnert - allerdings an jenes auf der Playstation 2. New York, Miami und Havanna, die drei Spielorte, bleiben ohne Atmosphäre, an der Mode der Passanten kann man absolut nicht erkennen, dass das Spiel in den 50er-Jahren angesiedelt ist.

In dieser wilden Zeit muss man nämlich als von Michael Corleone (der mit Al Pacino gerade einmal die Haarfarbe teilt) eingesetzter Don Dominic die drei Städte unter seine Kontrolle bringen. Der Weg dorthin: den feindlichen Familien die illegalen Geschäfte mit Gewalt abnehmen, die feindlichen Capos ausschalten und am Ende das Familienanwesen in die Luft jagen.

More of the same

Da hat das Spiel durchaus Unterhaltungswert - mit bis zu drei (recht unbeholfenen) Untergebenen in Häuser zu stürmen, alles zu töten, was eine Waffe hat, und am Ende den Geschäftsinhaber unter Druck zu setzen, damit er die Seite wechselt, ist nett. Nur ist das ziemlich die einzige sinnvolle Beschäftigung, die ad nauseam wiederholt wird. Es gibt Nebenmissionen - doch die sind "more of the same". Geschäfte verwüsten, Leute umbringen. Eine Erkundung der Städte ist wenig lohnend und steuerungsmäßig frustrierend. Man kann Untergebenen befördern - was bedeutungslos ist, da sie ohnehin nur Kanonenfutter sind. Man bekommt Vorteile, wenn man ganze Geschäftszweige kontrolliert - was irrelevant ist, da das Spiel auch ohne Vorteile leicht zu meistern ist.

Wer ein wenig an den Corleone-Clan erinnert werden will und virtuelle Feuergefechte liebt, ist mit dem Spiel eine Zeitlang gut versorgt. Alle anderen sollten hoffen, dass der Hersteller im nächsten Teil die interessanten Ansätze ausarbeitet und richtig zusammensetzt. - Und nicht schustert. Der Pate II/EA, Xbox 360, Playstation 3, PC, ab 18, circa 70 Euro (Michael Möseneder/ DER STANDARD Printausgabe, 16. Mai 2009)

Spiel-Platz

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