Analogkäse

9. Juni 2009, 11:59

Ein billiger Pizzabelag

Seit einigen Wochen ist in den Medien viel vom so genannten "Analogkäse" zu sehen, zu hören und zu lesen, einem billigen Mix aus Eiweißpulver, Pflanzenfett und Aromazusatz, der anstatt von "wirklichem" oder Realkäse auf die Pizza oder ähnliche Speisen appliziert wird. Ich kannte derartige Produkte früher eher aus der Scherzartikelbranche (Analog-Hundescheiße, Analog-Straßenpizza), aber offenkundig hat das Analogprinzip inzwischen auch Eingang in die massenhafte Speisenzubereitung gefunden. Eine naheliegende Wort-Scherzkreation, die einem leicht in den Sinn kommt, wenn man "Analogkäse" hört oder liest, ist natürlich der Digitalkäse; und in der Tat existieren auch für ihn bereits etliche Belegstellen im Internet: "Digital-Käse gibt's schon: Stefan Raab, Thomas Gottschalk, Carmen Nebel, Dieter Bohlen, Johannes B. Kerner", twittert etwa ein gewisser Herr "Polytasking" an die Münchner Abendzeitung. Anderswo wird der Ratschlag erteilt: "Nudeln nur mit Digital-Käse essen, niemals Analog-Käse drauf streuen." Und so fort.

So, wie ich meine grenzgenialen Leser kenne, wird auch ihnen sofort ein Füllhorn analoger und digitaler Scherze zu diesem Stichwort in den Sinn kommen. Bin schon gespannt und freu‘ mich drauf!

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at