Röstinchen

30. Juni 2009, 12:08

Vorstufe zum Hüftgold

Variatio delectat, sagt der Lateiner. Daher ist es auch immer wieder schön, wenn man auf Speisen stößt, die nicht so verbreitet sind wie das Spiegelei oder der Hamburger: Irgendwo ist mir in den letzten Tagen ein so genanntes "Röstinchen" untergekommen, von dem ich zuvor noch nicht gehört hatte. Wenn die Ergebnisse meiner Recherchen stimmen, dann handelt es sich beim "Röstinchen" um eine Verkleinerungsform des Rösti (oder besser noch "Röschti"), Erdäpfel- oder Kartoffelspeise zu tun, genauer mit geraspelten, zu Laibchen geformten und in Fett heraus gebratenen Erdäpfeln/Kartoffeln. Allerdings kam mir beim Surfen auch ein vereinzeltes "Kürbis-Röstinchen" unter die Augen.

Das Hinterfotzige am Wort Röstinchen ist, dass es kraft der ihm anhaftenden Verkleinerungssilbe -chen die Vorstellung provoziert, es handle sich hier um ein ätherisches, federleichtes, durch und durch kalorienarmes Gericht. Doch welch ein Irrtum! Mit hundert Gramm Backrohr Röstinchen von Iglo nimmt man schlanke 178 Kalorien zu sich, und ich gehe jede Wette ein, dass ein Schlemmer, der auf sich hält, locker das Dreifache als Beilage verdrücken kann. Die Transformation des Röstinchens in eitel Hüftgold ist dann nur mehr eine Frage der Zeit.

Womöglich haben auch die p.t. Leser selbst schon seit langem ein paar Röstinchen-Assoziationen auf dem Herzen, die sie loswerden wollten. Die Gelegenheit ist günstig: Posten Sie bitte - JETZT.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at