, Christoph Winder

Ältern

Betagte Vorfahren

Der medizinische Fortschritt bringt es so mit sich, dass fünfzigjährige Mütter inzwischen keine Unmöglichkeit mehr sind, und, wer weiß, vielleicht demnächst die 60- oder 70-Jährigen auch nicht mehr. Wenn dann der Papa seinerseits auch noch ein paar Jahre auf dem Buckel hat, dann hat das Kind "Ältern": So die pfiffige Wortneuschöpfung, die für Eltern im fortgeschrittenen Alter neuerdings da und dort zu lesen ist (HÖREN kann man sie nicht, weil ja Ältern und Eltern genau gleich klingen).

Wenn Sie mich fragen: Keine üble, weil ökonomische, mit der Veränderung eines einzigen Buchstabens gemeisterte sprachliche Bewältigung eines vermehrt zu Tage tretenden gesellschaftlichen Phänomens. Das einzige Problem, das sich stellen könnte, ist das der exakten Grenzziehung zwischen Eltern und Ältern. Wer Eltern, die sich noch als jung und knackig empfinden, versehentlich als Ältern tituliert, kann sich wahrscheinlich gröbere Schwierigkeiten einhandeln.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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