, Christoph Winder

Schwabbelland

Speck in Bewegung

Nahe Mariazell liegt der Erlaufsee, und der Wanderer, der an dessen Südseite entlanggeht, wird direkt am Ufer einen Taucheinstieg entdecken, der den schönen Namen "Schwabbelland" trägt. So steht es auf jeden Fall auf einer Tafel, die über die Details dieser pittoresken Örtlichkeit instruiert. Fragen Sie mich nicht, welcher Humorist für diese exzentrische Namensgebung verantwortlich ist, aber Schwabbelland hat etwas für sich und würde sich nicht nur für Taucheinstiege eignen, sondern auch für manche Konditorei und manchen Badestrand. 

Weil wir gerade beim Schwabbeln sind: Ich kann hier nicht umhin, dem Wort Schwabbeln ob seiner semantischen Treffsicherheit hohes Lob auszusprechen. Mit dem Schwabbeln beschreiben wir punktgenau eine häufig mit der Speckigkeit verbundene Eigenschaft, allerdings geht es dabei nicht um die festsitzende, pralle, immobile Speckigkeitsvariante, sondern vielmehr um die bewegliche, hin- und herschwingende, auf- und abwabernde, puddinggleich erzitternde. Wunderschön! Laut Duden hat das Wort schwabbeln noch eine andere Bedeutung, nämlich "unnötig viel dummes Zeug reden, schwätzen", ich muss allerdings hinzufügen, dass mir diese Art von Schwabbelei in Österreich noch nie untergekommen ist (nur als Vokabel natürlich; dumm geschwätzt wird auch in Österreich genug). Wie auch immer: An dem aussagekräftigen und klangschönen Wort Schwabbeln sollten wir uns stets erfreuen und gütlich tun.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart