, Christoph Winder

Draufsetzer

In der Tradition des Hinguckers

Nach dem Aufreger und dem Hingucker möchte ich das Interesse der p.t. Leser diesmal auf den Draufsetzer lenken. Damit ist nicht etwa ein Reiter, ein Radfahrer oder ein müder Werktätiger gemeint, der sich des Abends gemütlich in seinem Lesefauteuil niederlässt. Nein, dem Draufsetzer liegt ein abstrakteres Konzept zugrunde. Er leitet sich von der Formulierung "noch einen draufsetzen" ab (Alternativvariante: "noch einen draufsatteln") und meint das, was draufgesetzt wird, also die Steigerung, die Krönung, das Surplus.

Wenn Herr X. Herrn Y. in der Vergangenheit schon einmal einen Heini genannt hat, ihn jetzt aber auch noch öffentlich als Vollheini bezeichnet, dann könnte man diesen Vollheini mit Fug und Recht einen Draufsetzer nennen. Ein paar Draufsetzer-Belege aus dem Internet: "Zwei Jahre nach ,Reign in Blood‘ kam wieder ein Draufsetzer von Slayer." "Frau von Sinnen kokettiert schon seit Jahren in unablässiger Weise mit ihren linksdrehenden Hormonen und nun kreiert man als Draufsetzer noch Sprüchlein wie ,schwul ist cool‘". "Katharina und Partner Jascha Wagner beendeten den wunderbaren Abend mit einem Draufsetzer. Sie zeigten Tango, Rumba und den mitreißend schnellen Jive als Turniertänzer." Das letzte Beispiel hat nach meinem Dafürhalten etwas gelinde Paradoxes, weil Tänze wie Tango und Rumba nicht im Sitzen absolviert werden und sich daher als Draufsetzer nur bedingt eignen. Womöglich verspüren jetzt ja auch die p.t. Leser Lust, sich auf dieses Thema draufzusetzen und uns ihre Assoziationen mitzuteilen.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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