Eiscremewärts

29. September 2009, 12:15

Eine sommerliche Bewegungsrichtung

"Unendlicher Spaß", der 1996 in den USA erschienene und erst heuer in deutscher Übersetzung erhältliche Roman von David Foster Wallace, ist mit seinen 1.600 Seiten nicht eben ein Büchlein, das man sich so zwischendurch einmal reinzieht, sondern eine eher langwierige Aufgabe. Ich habe mich, als blutiger Anfänger, gerade einmal bis zur Seite 121 vorgearbeitet, wo mich der prächtige Satz "Sie gingen bzw. wackelten eiscremewärts" erwartete. Prächtig und inspirierend ist vor allem das Wort "eiscremewärts": Wieso begnügen wir uns mit altgewohnten Richtungsangaben wie aufwärts, abwärts, seitwärts, rückwärts, bergwärts, talwärts oder himmelwärts, wo sich doch mit dem Suffix -wärts (Bedeutung: "in Richtung von", "auf....zu") noch ganz andere lustige Wörtlein schmieden ließen?

"Eiscremewärts" ist ein typisch sommerlicher Bewegungsimpuls, während man im Herbst sturmwärts und im Winter maroniwärts oder punschwärts unterwegs ist. Nach der Arbeit zieht es manchen beislwärts, bierwärts oder weinwärts. Naschkatzen müssen zuhause achtgeben, dass sie sich nicht ständig schokoladewärts bewegen. Die p.t. Leser aber zieht es jeden Dienstag hoffentlich wörterbuchwärts, auf dass sie die Einträge des Chronisten mit ihren trefflichen Assoziationen und jeder Menge neuer Wärts-Wörter veredeln mögen.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at