Nackig

27. Oktober 2009, 10:46

Entblättern leicht gemacht

Ja Sapperment, was lese ich denn da für eine Schlagzeile auf diepresse.com? "Sarah Palin: Fast-Schwiegersohn macht sich nackig". An dieser Meldung interessiert mich natürlich vorab der sachliche Gehalt. Denn dass Levi Johnston, der "Fast-Schwiegersohn" von John McCains ehemaliger "Running Mate" die Kleider abstreift und für das "pornografische Magazin 'Playgirl'" posiert, ist starker Tobak und per se ungemein wissenswert. Noch mehr aber interessiert mich die Formulierung "sich nackig machen" für "sich ausziehen", welche nach meiner Wahrnehmung in Print- und sonstigen Medien in den letzten Monaten vermehrt in Erscheinung tritt.

Dem österreichischen Wörterbuch (40. Auflage von 2006) ist "nackig" bekannt (in der 39. von 2001 war das noch nicht der Fall); und zwar wird das Wort als "bes. D" (besonders in Deutschland verbreitet) sowie als "ugs.", also als umgangssprachlich bezeichnet. Das Austro-Pendant zu "nackig" ist "nackert" - und was die Verbreitung des "sich nackig machen" bzw. "sich nackert machen" betrifft, so hängt die bundesdeutsche Nackig-Variante (73.900 Google-Erwähnungen) die austriazensische Nackert-Version (gerade einmal lausige zwei [!] Treffer) um Lichtjahre ab.

"Nackig (bzw. nackert) machen" tut sich selbstredend nicht nur Levi Johnston, sondern diese Tätigkeit wird in weiteren Bevölkerungskreisen, vor allem von Promis und solchen, die sich dafür halten, gerne betrieben. Eine kurze Internet-Zusammenschau: "Heidi Klum macht sich nackig", "Serena Williams macht sich nackig", "Carla Bruni macht sich nackig", "Lady Gaga macht sich nackig", "Brad Pitt macht sich nackig", "Tara Reid macht sich nackig", "Morrissey macht sich nackig" usw. usf. Ich darf Ihnen ein kleines Geheimnis verraten: Selbst ich mache mich manchmal nackig, vor allem vor dem Duschen. Gesetzt den Fall, die p.t. Leser haben ein paar schonungs- und hüllenlose Postings zu diesem Thema in petto: Ich bitte herzlich darum.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at