A-Wort

1. Dezember 2009, 15:08

Unaussprechlich von A bis Z

Wenn man ein Wort gleichzeitig sagen will und andererseits auch wieder nicht sagen will, weil man das betreffende Wort für anstößig, vulgär, beleidigend oder aus sonstigen Gründen für unaussprechlich hält: Dann besteht ja immer noch die Möglichkeit, sich mit dem Ausdruck "A-Wort" bzw. "B-Wort", "C-Wort" usf. zu behelfen.

Kollege Prantner hat vor kurzem in einer Album-Reportage über den amerikanischen Süden vom "A-Wort" geschrieben - gemeint war damit der "Afroamerikaner": "Im richtigen Leben ist James Meredith aber noch immer ein zorniger schwarzer Mann, vor dem sich nicht nur Weiße fürchten, sondern auch die Afroamerikaner. Schon dieses ,A-Wort‘ lässt Meredith in seinem Sessel unruhig werden. Er hält es für einen politisch korrekten Ausdruck einer neuen Trennung von Schwarzen und Weißen."

Häufiger als das A-Wort ist im Englischen natürlich das F-Wort, das von Sittenwächtern aller Art emsig verfolgt wird. Barack Obama hat, laut einem Bericht der FAZ, im April 2009 bei seinem Besuch in Ankara das "G-Wort" ("Genozid") in Bezug auf die Armenier vermieden, weil dieses Wort von türkischen Politikern überaus ungern gehört wird.

Die Süddeutsche wiederum ortete im Jahr 2008 zum Höhepunkt der Finanzkrise eine Angst vor dem "S-Wort", sprich: der Stagflation. Damit halte ich aber auch schon inne und übergebe das Wort (!) an die p.t. Leser: Sicherlich haben auch sie das eine oder andere Exemplar in ihrem Wortschatz, welches sich unter dem Titel des A-, B-, C-, D- usw.- Wortes thematisieren lässt.

Selbstverständlich ist jedes Wort von A bis Z willkommen.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at