, Christoph Winder

Schröderismus

Politische Sprach-Marotten

"Weg damit!": Die Zeit hat auf ihrem vorletzten Cover in knallig-bunten Lettern eine ganze Batterie dubioser Errungenschaften aufgelistet, von denen die Redaktion in Zukunft lieber verschont bleiben möchte: Das Grußwort "Tschüsschen" zum Beispiel, aber auch Trillerpfeifendemos, die Sterblichkeit (!), Twitter sowie "Schröderismen".

Damit sind Formulierungen gemeint, die der ehemalige deutsche Bundeskanzler besonders gerne in den Mund nahm ("Das macht Sinn"; "Von daher"): Ich kann gut nachvollziehen, dass man die in der Zeit anscheinend bis zum Überdruss gehört hat.
Selbstverständlich ist Schröder nicht der einzige Politiker, der mit markanten sprachlichen Mucken und Macken in Erscheinung tritt. Aus österreichischer Sicht hätten wir den unvergessenen Kreiskyismus "Ich bin der Meinung" beizusteuern, den Schüsselismus von der "Gelassenheit" oder den Haiderismus von den "Anständigen und Fleißigen".

In meinem unendlichen Vertrauen auf das intellektuelle Potenzial und das Erinnerungsvermögen der p.t. Leserschaft bin ich mir fast sicher, dass hier ein paar weitere schöne Hinweise einlangen werden: Auf Faymannismen, Pröllismen, Grasserismen, Bandion-Ortnerismen und gewiss auch den einen oder anderen Schottermizzismus.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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