, Christoph Winder

Von Hand gemacht

Ein luxuriöses Körperteil

Vor kurzem auf einer Packung Leichtspeck gelesen: "Von Hand gemacht". "Von Hand gemacht", das ist eine jener immer wiederkehrenden Luxusheraufbeschwörformeln, die es hier, im klassischen Hinterfragungsumfeld dieses Wörterbuchs, einmal zu hinterfragen gilt, vor allem dann, wenn sie sich auf ein paar Scheiben Speck bezieht. Mir persönlich ist es völlig Blunzn, ob mein Speck mit der Hand oder der Maschine gemacht ist, ich schmeck' den Unterschied nicht heraus.

Aber der Speckhersteller will eben nicht nur Speck herstellen, sondern darüber hinaus eine Aura der Noblesse, welche sich von der Hand herleitet, einem der eindeutig nobelsten menschlichen Körperteile. Vom werblichen Standpunkt her wäre es eindeutig kontraproduktiv, wenn der Produzent mit anderen Körperteilen würbe, außer vielleicht dem Herzen. Völlig verfehlt wären jedenfalls "Mit dem Hintern gepresst" oder "In der Achsel getrocknet".

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart