, Christoph Winder

Warmist

Besorgnis um das Klima

Dieses Wort existiert heute vor allem im Englisch-Amerikanischen, es wird aber auch bei uns in unveränderter Form bzw. nur aussprachmäßig ans Deutsche angepasst, als "Warmist" noch groß herauskommen, dafür leg‘ ich meine Hand ins Feuer. Was ist ein "Warmist"? Ein Warmist hegt die fixe Überzeugung, dass die vom Menschen in die Atmosphäre entlassenen Gase für die globale Erwärmung verantwortlich sind.

Damit steht er im Gegensatz zum "Denier" (von: to deny), zum Leugner oder, weniger polemisch, zum Skeptiker, der diesen Kausalzusammenhang abstreitet. In den USA scheint "Warmist", wenn ich das richtig aus vielen einschlägigen Google-Treffern herauslese, eine unüberhörbar pejorative Note zu haben. Häufig ist das Wort als Kampfbegriff der politisch Rechten im Einsatz, welche sich damit auf politische Weicheier wie Al Gore und Konsorten einschießen. Selbstverständlich - es lebe die Paranoia! - machen auch schon Warnungen von einer globalen Warmisten-Konspiration die Runde, die darauf abzielen soll, unter dem Titel des Klimaschutzes freie amerikanische Bürger zu unterjochen.

Wenn Sie mich fragen: Seines pejorativen Grundtones entkleidet und neutral verstanden schiene mir "Warmist" kein übler Begriff, um die Angehörigen einer bestimmten Denkschule, eben der, die die Erderwärmung als menschengemachtes Phänomen begreift, zu bezeichnen - nur an einem Gegensatzbegriff herrscht noch Mangel. Vielleicht der auf der Hand liegende Kaltist, der freilich semantisch nicht ganz exakt hinhaut und auch bar jeder Originalität ist?

Womöglich haben ja die p.t. Leser ein paar nützliche warm- oder kaltistische Wortschöpfungen in petto, um dieses brisante Bedeutungsfeld auch auf Deutsch zu beackern.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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