Schlichti

26. Jänner 2010, 10:40

Von einfachem Gemüte

Es gibt superintelligente Menschen, geniale Strategen, Hyperintellektuelle, Meisterdenker, die dicke Bücher schreiben, brillant diskutieren und glorios formulieren. Und dann gibt es Schlichtis. Schlichtis sind Leute, die keine Bücher schreiben; dubios formulieren; sich mit einfachen Erklärungen zufrieden geben; glauben, dass Politiker selbstlos das Beste für sie wollen usw. usf. - grad dass sie nicht glauben, die Erde sei eine Scheibe. Allerdings ist Schlichti, wenigstens meinem Verständnis nach, ein weniger beleidigendes Wort als Depp, Schwachkopf oder Kretin; sein Gehalt weist aber eindeutig in dieselbe semantische Richtung. Ganz besonders schlichte Schlichtis könnte man natürlich auch problemlos als Oberschlichtis, Megaschlichtis oder Erzschlichtis bezeichnen.

Ich bin mir nicht sicher, seit wann das Wort "Schlichti" im allgemeinen Sprachgebrauch herumgeistert, habe aber, erstens, den Eindruck, als wäre dies noch nicht so lange her (vor drei oder vier Jahren hatte ich noch nie etwas von einem Schlichti gehört). Zweitens glaube ich, dem Schlichti in letzter Zeit häufiger zu begegnen (was nicht zwangsläufig auf eine höhere Schlichti-Rate in der Bevölkerung hindeutet, sondern darauf, dass sich das Wort Schlichti sich ausbreitet und populärer geworden ist.)

Die p.t. Leser forderte ich jetzt aber schlicht und einfach auf, uns ihre Assoziationen, die sie zum Thema Schlichti in petto haben, frohgemut mitzuteilen.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
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