Auf den Bäumen

16. Februar 2010, 11:47

Wenn Eile nottut

Von triebstarken Menschen wird gelegentlich behauptet, sie kopulierten mit allem, was nicht "bei drei auf den Bäumen ist." Das ist hübsch gesagt und natürlich metaphorisch gemeint, denn niemand nimmt an, dass (nur ein Beispiel) die Mädels in einer Disco sofort das Lokal verließen und draußen die nächste Birke, Buche oder Tanne empor kletterten, wenn ihnen ein besonders gamsiger Verehrer auf den Leib rückt. Eine andere, derbere Formulierung zur Umschreibung des nämlichen Sachverhaltes: "Herr X (hier das Kopulationsverb ihrer Wahl einsetzen) alles, was ein Loch hat." 

Eine kleine Internetrecherche hat mich belehrt, dass die Bäume-Formel zwar sehr häufig, nicht aber immer in diesem sexuellen Zusammenhang verwendet wird. Auch in anderen Kontexten findet sie sich, die Bedeutung ist jeweils ein- und dieselbe: "Wer (oder was) sich nicht schnell genug in Sicherheit bringt." Einige Baum-Beispiele: "Vor ca. 15 Jahren startete Essilor eine Strategie, die in der internationalen optischen Industrie mit immer größerer Sorge betrachtet wird: Bildlich gesprochen wird jedes Unternehmen, das nicht bis drei auf den Bäumen ist, gekauft." "Das wird vor allem User, die auf alles klicken, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, dazu bringen, ein neues Plugin zu installieren." "Hab das gute Stück nun seit knapp einer Woche und knipse mittlerweile alles, was nicht bis drei auf den Bäumen ist.." "In China wird keinesfalls alles gegessen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist."

Hier halte ich inne und übergebe an die p.t. Leser: Wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, der möge bitte umgehend seine Assoziationen posten.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at