, Christoph Winder

Oaschlochaufschlag

Verrechnungsdisziplin beim Wirten

Einem Interview im letzten "Falter" entnehme ich, dass Herr Palfrader vor seiner Zeit als Kaiser unter anderem auch einmal als Gastwirt tätig war. In dieser Eigenschaft, so verrät er, pflegte er Gästen, die ihm unangenehm auffielen oder sonstwie menschlich zusetzen, einen "Oaschlochaufschlag" (hochdeutsch: "Arschlochaufschlag") zu verrechnen.

Eine interessante Sache und ein interessantes Wort! Als Gast fühlt man sich gewiss einigermaßen beklommen, wenn man einen solchen Aufschlag aufgebrummt bekommt. Andererseits: Besser ein klares Wort und ein Wirt, der einem mit offenen Visier seine Meinung kundtut, als ein hinterfotziger Kerl, der einem klammheimlich ins Bier spuckt.

Womöglich sind die p.t. Leser jetzt der Meinung, dass der Oaschlochaufschlag ein relativ singuläres, nur in Palfraders Gaststätte auftretendes Phänomen sei. Das wäre allerdings ein Irrtum, denn er scheint mir durchaus vergleichbar mit zwei anderen Mehrwert-Erscheinungen, die wir in diesem Wörterbuch schon behandelt haben: Der Deppensteuer und dem Ösi-Aufschlag (d.h. wenn identische Waren in Österreich teurer angeboten werden als in Deutschland).

Die Höhe des Oaschlochaufschlags bei Palfrader betrug übrigens zehn Prozent; er lag damit also immerhin deutlich unter der Mehrwertsteuer. Ich hoffe jetzt nur, dass der Herr Finanzminister diesen Eintrag nicht liest, weil er sonst vielleicht gar noch auf die Idee kommen könnte, eine neue Finanzquelle zur Budgetsanierung anzustechen und ausgewählte Steuerbürger mit einem Oaschlochaufschlag zu belegen.

Bitte nicht, Herr Pröll, wir zahlen eh schon so genug.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
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