, Christoph Winder

Direktvermarkterfamilie

Ein Hinweis auf die Erwerbsart der Sippe

Eine Wortspende meiner Kollegin B., bei der ich mich auf diesem Wege freundlich bedanke. Gefunden hat sie es in einer Aussendung der Steirischen Landwirtschaftskammer ("Beide Direktvermarkter-Familien errangen Doppel-Gold für köstliches Karree und Kochschinken"), aber eine kleine Google-Recherche hat mir sogleich vor Augen geführt, dass es Direktvermarkterfamilien auch in anderen Landstrichen gibt, zum Beispiel die Direktvermarkterfamilie Schmitt in Bischofsheim in Deutschland, welche Rindfleisch und Bauernbrot direkt vermarktet.

Das Schöne am Wort Direktvermarkterfamilie ist nach meinem Dafürhalten, dass es sogleich die Erwerbsquelle, auf der das ökonomische Wohlergehen der Familie fußt, zum Ausdruck bringt, was ja nicht bei jeder Familienbezeichnung der Fall ist: Übliche Wörter wie "Großfamilie" oder "Kleinfamilie" stellen auf die Kopfzahl der Familie ab und vermitteln lediglich einen ungefähren Eindruck von der Dimension der betreffenden Sippe. Noch besser wäre es freilich, wenn uns die Direktvermarkterfamilien nicht nur mitteilen würden, dass sie direkt vermarkten, sondern als Zusatzservice hinzufügten, welcher Art denn ihre Ware ist.

Im Deutschen lassen sich problemlos auch längere Komposita bilden, also etwa Naturtrüberapfelsaftdirektvermarkterfamilie oder Organischbiologischertofudirektvermarkterfamilie.

Ich finde, über solche Bezeichnungen sollten wir alle miteinander einmal kräftig nachdenken.

Von Christoph Winder
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