Bronzestelzen

Körperteile, zum Fressen gern

Vom Bronzing war in diesem Wörterbuch schon vor einiger Zeit einmal die Rede, nicht aber von den "Bronzestelzen", ein Wort, auf das ich vor ein paar Tagen in der "Sonntagskrone" gestoßen bin. Die Artikelverfasserin verwendete es, um ihre gebräunten Beine zu bezeichnen und von deren Beobachtung ausgehend einige Überlegungen über die Gefahren anzustellen, welche dem Damenbein drohen (Besenreißer etc.), und wie man ihnen am besten vorbeugt. Bemerkenswert an der saloppen Wortwahl "Bronzestelzen" ist der Umstand, dass hier ein Körperteil mit einer Nahrungsmittelbezeichnung apostrophiert wird, gerade so, als habe man seine eigenen Beine zum Fressen gern. Die Stelze steht allerdings nicht allein auf weiter Flur, sondern es gibt analoge Fälle der willkürlichen Vermischung dieser nicht zusammengehörigen Sphären: So wird etwa der Kopf gerne als "Rübe", "Nuss" oder "Birne" bezeichnet, die Nase als "Gurke" oder der Bart als "Sauerkraut". Recht wunderlich, wenn man es genau bedenkt! Ich bin mir allerdings völlig sicher, dass die p.t. Leser dennoch manch sonstige nahrhafte Körpermetapher ans Tageslicht fördern werden, wenn sie erst einmal ihren Vokabelschatz durchforstet haben.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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