Nicht-Lauda

30. März 2010, 16:44

Namen ex negativo

Aus einem Artikel ("So tickt die Macht") im "Profil" dieser Woche (Nr. 13/2010): "Kampfbereitschaft und Durchsetzungsvermögen bestimmten durchgängig schon die früheste Kindheit der von profil befragten Erfolgsmenschen. 'Ich habe schon sehr früh meinen ganzen Einsatz darauf konzentriert, ein Nicht-Lauda zu werden', erzählt der heutige Unternehmer und dreifache Formel-1-Weltmeister Niki Lauda über den Ursprung seiner Motivation, aus dem großbürgerlichen Umfeld seiner Familie auszubrechen." Das ist sehr hübsch gesagt, und es ist vor allem der Begriff 'Nicht-Lauda', der in dieser Text-Passage in die Augen sticht.

In Wahrheit ist es ja auch so, dass die meisten Menschen Nicht-Laudas sind, ich zum Beispiel schon seit meiner Geburt, sodass mir die Mühe, mich erst zu einem Nicht-Lauda hin zu entwickeln, erspart geblieben ist. Nach dem Nicht-Lauda-Muster ließen sich natürlich nach Belieben jede Menge andere Nicht-Individuen bilden: So könnte man zum Beispiel Bundeskanzler Faymann (übrigens auch ein Nicht-Lauda) einen Nicht-Kreisky nennen, Josef Pröll einen Nicht-Obama und so weiter und so fort. Ich nehme an, dass auch die p.t. Leser ein paar Nichtigkeiten zu dieser Liste hinzuzufügen haben werden.


Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at