, Christoph Winder

Hinternational

Eine kleine Staatsaffäre in Wien

Inbegriff von Hinternationalistan?

foto: apa

"Österreich ist hinternational", lautete ursprünglich der Titel eines Vortrags, der am Wiener Renner-Institut stattfinden sollte. Warum aus dieser Ankündigung dann aber doch nichts wurde, berichtet das Profil (15/10): "Zu einer kleinen Staatsaffäre wuchs sich vergangene Woche ein geplanter Vortrag des Politologen Helmut Kramer in der SPÖ-Parteiakademie Renner-Institut aus. Kramer, ein ausgewiesener Experte für internationale Politik, wollte zum Thema ,Österreich ist hinternational. Zu Stagnation und Krise der österreichischen Außenpolitik' sprechen.

Als Koreferent war Staatssekretär Andreas Schieder vorgesehen. Die Folge der respektlosen, wenngleich amüsanten Ankündigung war eine heftige Intervention des Büros von Außenminister Michael Spindelegger. Der vom Spindelegger-Büro eingeschaltete Kanzler Werner Faymann erwirkte schließlich ein Nachgeben seiner Parteiakademie. In der ,gereinigten' Fassung lautet der Titel des Kramer-Referats am Montag jetzt ,Vortrag zur Entwicklung der österreichischen Außenpolitik'" .

Eigentlich schade, weil am zeitweilig stark hinternationalen Charakter der österreichischen Politik nur wenig Zweifel bestehen kann. Weil das Renner-Institut das Wort nicht mehr verwendet, obliegt es also mir, "hinternational" hier zu Ehren kommen zu lassen. Möglicherweise haben ja meine wortspielerisch versierten Leser ein paar Ideen, was man mit diesem hübschen Exemplar sonst noch anstellen könnte.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
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