Polenschlüssel

Politisch nicht vollkommen korrekt

Na, aber hallo, verehrte Frankfurter Allgemeine Zeitung, da haben Sie aber ein recht hässliches Wort auf die Titelseite Ihrer Ausgabe von 19/5 gedruckt: Unter der Abbildung dreier Werkzeuge, mit deren Hilfe "man sich unbefugt Zutritt zu anderer Leute Autos verschaffen kann", steht doch glatt, dass die betreffenden Geräte umgangssprachlich als "Polenschlüssel" bezeichnet werden. Durch dieses Wort wird insinuiert, der Diebstahl von Autos sei die Sache einer speziellen Nation, während man in Wahrheit doch getrost davon ausgehen darf, dass der Hang zum Fladern ein Hang ohne Grenzen ist. Freilich: Der Volksmund ist Stereotypen nicht abgeneigt, und so sprach man denn in der Vergangenheit und spricht auch noch in der Gegenwart von der französischen Krankheit, dem Russenluster, dem Jugo-Koffer (für Billa-Sackerl) und ähnlichem. Freunde der politischen Korrektheit werden solche Ausdrücke gewiss eher umgehen, aber sie gelegentlich ironisch in die Rede einzustreuen, kann wahrscheinlich auch keine wirkliche Sünde sein. Womöglich haben ja die moralisch hochstehenden Leser die eine oder andere Idee zur Bewertung solcher Sprachfiguren in petto.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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