Verschlossene Auster

13. Juli 2010, 10:41

Preise als Parodien

Verschlossene Auster: So heißt der Preis, den die deutsche Journalistenvereinigung "Netzwerk Recherche" dieses Jahr an die Deutsche Bischofskonferenz vergeben hat - für deren Verdienst, sich der Öffentlichkeit gegenüber besonders verschlossen zu zeigen.

Wie die p.t. Leser handelt es sich aber bei diesem Verdienst in Wahrheit um keinen Verdienst, und auch die mit dem Preis Geehrten werden sich in Wahrheit nicht geehrt gefühlt haben, weil der Preis natürlich kein Preis im landläufigen Sinn ist, sondern vielmehr ein Un-Preis, ein Anti-Preis oder die Parodie eines Preises, bei dem ein Tadel ins Gewand eines Preises eingekleidet wird.

Einer der bekanntesten Spottpreise ist die "Goldene Himbeere", die alljährlich parallel zum "Oscar" an besonders missratene Filmproduktionen und besonders schlechte Regisseure verliehen wird. Ich habe allerdings den Eindruck, dass uns noch ein paar markante und gut benannte Preise vom Himbeer- und Austerntypus für Österreich fehlen: Womit sollten zum Beispiel Walter Meischberger oder Karl-Heinz Grasser ausgezeichnet werden?

Ich nehme an, die p.t. Leser haben dazu sicher das eine oder andere inspirierende Posting auf Lager.


Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at