, Christoph Winder

Sommerlochtauglich

Ein Adjektiv für die heißen Tage

Sommerlochtauglich: Mit diesem schönen Adjektiv hat die "Frankfurter Allgemeine" (10.8.2010) die deutsche Debatte um die Sicherheitsverwahrung von Sexualverbrechern gekennzeichnet: Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte mussten bekanntlich etliche Dutzend von ihnen in Deutschland freigelassen werden. Die Sache mit der Sommerlochtauglichkeit dieses Sujets ließ sich die Bildzeitung nicht zweimal sagen: Sie wetterte tagelang in voller Lautstärke ("Irrsinn Justiz!"). Ich weiß nicht, ob es eine Hitliste der Sommerlochtauglichkeit von Medienthemen gibt, aber einige Anwärter auf die vorderen Listeplätze fallen mir auf Anhieb ein: Gelsenplage, Tipps fürs Grillen (niemals das pure Knacker-Fett auf die Holzkohlen träufeln lassen, weil: krebsfördernd), Tipps für das korrekte Verhalten bei Temperaturen über 30 Grad (vor allem: genug trinken!) und so weiter und so fort. Möglicherweise wollen sich die p.t. Leser ja angesichts des herannahenden Herbstes mit mir gemeinsam melancholisch an die vergangenen heißen Tage zurückerinnern und ein paar Assoziationen zur Sommerlochtauglichkeit beisteuern.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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