Lenakohle

Höchstpersönliche Finanzgebarung

Schlagzeile in der "Bild am Sonntag" vom 8. 8. 2010: "Lenas Vater will sich sein Hartz IV nicht mit Lenakohle aufbessern". Die Story hinter der Schlagzeile: Ladislas Meyer-Landrut, Vater von Lena Meyer-Landrut, hat seine Tochter schon seit Jahren nicht gesehen, ist verschuldet, aber doch auch zu stolz, um Geld von Lena anzunehmen. Besonders schön in dieser Schlagzeile ist klarerweise das Wort "Lenakohle", es ist aber auch ein wenig befremdlich. Denn die Natur des Geldes ist natürlich im Abstrakten gelegen, sodass es sonderbar anmutet, wenn man es mit etwas so Höchstpersönlichem wie mit einem Vornamen kombiniert. Würde man zum Beispiel das Geld von Walter Meischberger als "Walterkohle" bezeichnen wollen? Oder jenes von Karl-Heinz Grasser als Karl-Heinz-Kohle? Ich bin mir in meinem ästhetischen Urteil nicht ganz sicher, hoffe aber darauf, dass mir meine ethisch und linguistisch überaus sattelfesten Leser bei der Klärung dieser Zweifelsfrage unter die Arme greifen werden.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

Mehr zum Thema Winders Wörterbuch zur Gegenwart