Krafttraining lässt Knochen wachsen

2. November 2010, 11:02
Vor allem Biegebelastungen regen Knochenwachstum an - 15 Prozent gesteigerte Knochendichte bei scherwer Osteoporose nach einem Jahr

Wien - „Osteoporose ist unserem Lebensstil geschuldet", bringt es Martin Weiß, beratender Arzt von Kieser Training, beim 9. Wiener Osteoporosetag auf den Punkt. Und liefert mit dem Krafttraining ein hochwirksames Osteoporose-„Medikament". Werden zusätzlich zum Krafttraining Vitamin D und Kalzium eingenommen, kann die Knochendichte im ersten Jahr um bis zu 15 Prozent gesteigert werden. Kieser Training erforscht seit einem Jahrzehnt den Nutzen von gesundheitsorientiertem Krafttraining in der Prävention und Therapie von Osteoporose. Für Patienten hat Weiß nun das Buch „Osteoporose ist heilbar!" herausgebracht.

Zu wenig Bewegung, vor allem zu wenig „knochenfreundliche" Bewegung bereits in der Kindheit, und zu wenig Zeit im Sonnenlicht sind die zwei größten „Knochenräuber". So füllt sich in der Jugend das Knochenkonto nicht bis zum persönlich möglichen Maximum auf und wird im fortgeschrittenen Alter der Abbau an Knochenmasse vorangetrieben. Für Menschen mit Osteoporose endet dieses Fehlverhalten schnell in einem Bruch, vor allem der Wirbelkörper und des Oberschenkelhalses. Betroffene leiden unter chronischen Schmerzen, viele können den Alltag nur mehr mit fremder Hilfe bewältigen.

Krafttraining ist Knochentraining

Dabei müsste es in den meisten Fällen nicht so weit kommen, denn Krafttraining lässt nicht nur Muskeln wachsen. „Es sind vor allem die Biegebelastungen, die einen sehr starken Aufbaureiz für neue Knochensubstanz haben", erklärt Weiß. Tatsächlich ist es so, dass sich die Knochen beim Krafttraining ein klein wenig verbiegen. Dadurch wird der ganze Knochen gleichmäßig aufgebaut. „Deswegen kann Krafttraining auch wesentlich mehr leisten als herkömmliche Sportarten. Noch dazu weil unsere Trainingsmaschinen wirklich das gesamte Knochenskelett erreichen", sagt Ralf Kälin, Geschäftsführer Kieser Training Österreich. Vor allem die Rückenstreckmuskulatur, die der Stabilisierung der Wirbelsäule dient und deren Schwächung für die Mehrheit der Rückenschmerzen verantwortlich ist, kann durch Krafttraining schonend und effektiv aufgebaut werden.

„Osteoporose ist heilbar!"

In seinem neu erschienenen Buch „Osteoporose ist heilbar!" erklärt Weiß das Zusammenspiel von Krafttraining, Kalzium, Vitamin D und Osteoporosemedikamenten auch für medizinische Laien gut verständlich. In Kombination mit Vitamin D und Kalzium kann Krafttraining in der Vorsorge zu annähernd 100 prozentigem Erfolg führen. Das gilt im Wesentlichen auch für leichte bis mittelschwere Osteoporose, wobei die Anforderungen an die Regelmäßigkeit und Genauigkeit des Krafttrainings höher sind. Selbst bei fortgeschrittener Osteoporose liegt die Zunahme der Knochendichte bei 5 bis 15 Prozent allein im ersten Jahr.

Der zeitliche Aufwand ist überschaubar. Zwei mal 30 Minuten Training in der Woche reichen aus. Dem gegenüber müsste man täglich 16 bis 20 Stunden walken, um einen Knochendichtezuwachs von 10 Prozent zu erreichen. „So eine Verbesserung bei der Knochendichte erreicht keine Sportart und auch kein Medikament", betont Weiß. In der Praxis hat sich sogar herausgestellt, dass jene Patienten, die regelmäßig gesundheitsorientiertes Krafttraining betreiben, in der Regel die teuren Medikamente nicht so lange nehmen müssen.

Knochenaufbau und Sturzeduktion

Krafttraining hat noch eine weitere wichtige Nebenwirkung: Menschen mit kräftigen Muskeln besitzen eine geringere Sturzgefahr, beziehungsweise sind sie in der Lage Stürze besser abzufangen. Für Kunden mit Osteoporose gibt es spezielle Trainingsprogramme. Bei Kunden mit Vorerkrankungen legt der niedergelassene Arzt Trainingsumfang und Intensität fest. Spezielle Test - und Therapiemaschinen sorgen für einen sicheren Einstieg ins Kieser Training.

„Im Idealfall beginnt man bereits im Jugendalter mit der Osteoporoseprävention, also mit Krafttraining, richtige Ernährung und zusätzlich viel Zeit im Freien, etwa beim Sport", betont Kälin. „Wir sehen Krafttraining als konzentrierte Arbeit, die Gelenke und Muskeln optimal auf die Belastungen des Sports vor bereitet." Wichtig ist jedoch, seinen Lebensstil dauerhaft zu ändern und Krafttraining als fixen Bestandteil einzubauen, denn dieses „Heilmittel" hat einen Haken: Es wirkt nur, solange man es regelmäßig betreibt. Wenn man damit aufhört, ist innerhalb von etwa sechs Monaten alles weg, was vorher aufgebaut wurde. Das gilt für Knochen wie Muskeln. (red)

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