Worthülst

Hauptzeitwörtlein am laufenden Band

Die p.t. Leser wollen aus einem Nomen ein Verbum machen? Simsalambim, nichts leichter als das: Das Magazin "News" hüpft diesen Schaffensprozess am Beispiel des Hauptworts "Worthülse" vor. Ich zitiere aus einem Artikel über die Verlobung von Kate Middleton und Prinz William: "Die 'Princess in Waiting', wie Kate von der Presse benamst wurde, worthülst im ersten Statement, das sie überhaupt je gegeben hat: 'Die Aussicht, in die königliche Familie einzuheiraten, ist respekteinflößend." Ob "News" die "Princess in Waiting" so familiär mit "Kate" benamsen darf? Nein, das ist hier nicht das Thema, über das Verbum "worthülsen" wollen wir reden. An der Frage, ob man ein Hauptwort so mir nichts, dir nichts verzeitworten darf, werden sich die Geister wohl scheiden. In einem rein technischen Sinn funktionieren tut es jedenfalls, wie ich hier mit ein paar mutwillig ersonnenen Neo-Zeitwörtern demonstriere: Fleckerlteppichen, glatzköpfen, gießkannen, grahambroten, holunderstrauchen, jakobsleitern, kaltschalen, kölnischwässern, männermagazinen, meeresspiegeln und so weiter und so fort. Womöglich fällt den immerkreativen Leserinnen und Lesern ja auch noch das eine oder andere Hauptzeitwörtlein ein, um das Wörterbuchforum hier zu erfreuen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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