Jodel-Japaner

Kehlkopfakrobat aus dem Fernen Osten

"Jodel-Japaner": Dies ist, so habe ich vor kurzem erfahren, eine alliterierende Berufsbezeichnung, die gerne für den 1947 in Tokio geborenen Volksmusikanten Takeo Ischi ("Mei Bibihenderl"; "Klarinetten-Muckl-Jodler"; „"ich verliebt bin, muss ich jodeln") verwendet wird. Der Charme dieser Wortkombination ist gleich zwiefacher Natur: Primo verblüfft und erfreut die unerwartete nähere Kennzeichnung eines Japaners mit Hilfe des Verbums "Jodel" - unerwartet deshalb, weil das Jodeln bei den Japanern ja weit weniger verbreitet ist als zum Beispiel im Zillertal oder in der Steiermark. Secundo gefällt natürlich das doppelte Jott, welches um einiges angenehmer im Ohr liegt als etwa "Dodel-Japaner", "Rodel-Japaner" oder ähnliches mehr. Kombinationen von vergleichbarer Grazie findet man nur selten, den Hip-Hop-Honduraner etwa, den Rock-Russen, den Funk-Finnen oder den Bluegrass-Belgier. Womöglich wissen ja die p.t. Leser dieser Liste noch den einen oder anderen Eintrag hinzufügen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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