Brötzen

Nass und feucht in die Röhre

Siebzig Jahre und kein bisschen leise: Der deutsche Saxophonist Peter Brötzmann bläst, spuckt und speit auch im fortgeschrittenen Alter immer noch so hyperenergetisch in seine Röhren, dass er sich ein eigens auf ihn zugeschnittenes Zeitwort redlich verdient hat: "Brötzen" bedeutet in Free-Jazz-Kreisen soviel wie "spielen wie Peter Brötzmann", und das heißt "immer laut, sehr nass, und voll fett!" (Stern). Wenn man dies will, kann man vielleicht das Zeitwort "jandln" als ein österreichisches Pendant zum "brötzen" auffassen, wobei "jandeln" natürlich so viel bedeutet wie "Gedichte in der Art Ernst Jandls schreiben und/oder vortragen". Zitat aus der "Wiener Zeitung" (30.12.2010): "Fanbriefe von Kindern beantwortete Ernst Jandl stets mit dem Ausdruck großer Freude. (...) Andere Schüler bewiesen ihm, wie geschickt sie 'jandln' konnten, indem sie nach dem Muster von 'Ottos Mops' eigene Gedichte wie 'Ruths Kuh' generierten."

Weil wir schon beim Thema "Schule" sind: Ich nehme die zwei Verben "brötzen" und "jandln" zum Anlass für eine Hausübung an die p.t. Leserinnen und Leser und beauftrage sie hiermit, ein paar hübsche neue Zeitwörter nach diesem Muster zu ersinnen und zu erklären, was denn exakt mit ihnen gemeint ist. Wer brav mitmacht, kriegt auch einen Fleißzettel.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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