Lulu-Absage

Eine eindeutige Zeitungsmeldung

Schlagzeile aus Österreich (der Zeitung, nicht dem Land): "Lulu-Absage könnte 300.000 Euro kosten". Man müsste schon ein rechter Kindskopf vor dem Herrn sein, um eine Zweideutigkeit in diese in Wahrheit natürlich vollkommen eindeutige Aussage hineinzulesen. Zur eindeutigen Erinnerung: Schauspielerin Birgit Minichmayr hat die Aufführung von Wedekinds Stück platzen lassen, weil sie sich von Regisseur Jan Bosse "nicht genügend beschützt fühlte". Im Rahmen dieses Wörterbuchs, wo stets der sittliche Ernst an der Tagesordnung ist, kämen die p.t. Leser selbstverständlich nie auf die Idee, dem Wort Lulu eine flüssige Bedeutungsnuance zu unterschieben, sodass ihnen auch die im Zusammenhang der Minichmayr-Affäre zu lesenden Lulu-Komposita und Lulu-Schlagzeilen niemals einen infantilen Lacher entlocken würden: "Minichmayr lässt Lulu platzen"; "Minichmayr schmeißt Lulu hin", "Streit um Lulu". Daher bin ich mir auch sicher, dass sich die p.t. Leserinnen und Leser im folgenden alle anzüglichen Postings zum Thema verkneifen werden. Ich bedanke mich im vornhinein herzlich dafür.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbetenan christoph.winder@derStandard.at

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