Feigbürger

Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Den Bürger scheint es immer weniger in seiner Reinform zu geben, als Bürger an sich sozusagen, sondern er tritt im öffentlichen Diskurs bevorzugt mit neuen Wort-Zusätzen auf. Allen voran ist hier natürlich der "Wutbürger" zu nennen, eine Novität, die schon seit einiger Zeit zu solch altbekannten Bürger-Varianten wie dem Pfahlbürger oder dem Spießbürger hinzugekommen ist. Hannes Androsch hat das Bürger-Spielchen weitergespielt und in einem kritischen Rundumschlag gegen die aktuelle gesellschaftliche Verfasstheit des Landes jetzt auch noch von "Lethargiebürgern", "Resignationsbürgern", "Feigbürgern" und "Neidbürgern" gesprochen. Ich meine, dass die p.t. Leserinnen und Lesern sich nach diesem wortbildnerischen Kreativschub des Herrn Ex-Finanzministers bei ihrer Ehre gepackt fühlen und ihrerseits ein paar hübsche neue Bürger-Sorten beisteuern sollten. Ich gehe mit gutem Beispiel voran, erfinde hier kurzerhand die Hambürger und die Cheesebürger und spiele damit den Ball an Sie weiter.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbetenan christoph.winder@derStandard.at

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