Was das Plastiksackerl verrät

10. Juli 2011, 19:11

Dem aus dem Plastiksackerl entstandenen Konsum- und Kulturverhalten widmet sich Ida-Marie Corell in ihrem neuen Buch

Marcel Prawy hortete sein Hab und Gut drin, Hermes Phettberg 
entwickelte eine außerordentliche Vorliebe dafür, nun beleuchtet ein Buch das ganze Universum des Plastiksackerls - und da es dies von Deutschland aus tut, trägt
 es den Titel "Alltagsobjekt Plastiktüte". Recherchiert und verfasst hat es die Wiener-Berliner Künstlerin Ida-Marie Corell, die auch großteils für die Abbildungen verantwortlich zeichnet.
Die 
Welt ist voll von Plastiksäcken - wenn auch vielleicht nicht mehr allzu lange, hat 
doch etwa die Wirtschaftsweltmacht China erst kürzlich Sanktionen 
über das Sackerl verhängt.
"Ein Malstrom aus zerkleinerten Plastikteilen
 von der Größe Mitteleuropas, qualvoll verendende Seevögel und 
vollkommen verdreckte Strände in entlegenen unbesiedelten Gebieten haben
 die Plastiktüte als vorrangigen Umweltverschmutzer ins öffentliche 
Bewusstsein gebracht", führt der Klappentext in Ida-Marie Corells Aufarbeitung des Plastiksackerls ein.
"Woher kommt sie sie, welche 
Bedeutung hat 
die Plastiktüte für den Einzelnen, für die Gesellschaft? Kaum einer 
kommt ohne sie aus. Sei es, um etwas vor äußeren Einflüssen oder Blicken 
abzuschirmen oder um zu verhindern dass ein unstabiles Inneres nach 
außen dringt", heißt es weiter.
Als Transportmittel für Einkäufe ist sie nicht mehr 
wegzudenken. Dem daraus entstandenen, spontanen Kultur- und 
Konsumverhalten gilt das besondere Interesse der Autorin.
"Seit meiner Kindheit faszinieren mich 
Plastiktüten. Ich erinnere mich, dass ich schon als kleines Kind wissen 
wollte, was hinter den unstabilen, raschelnden, überall existierenden 
Gebilden steckt", sagt Corell.
"Ich hatte also bereits zahlreiche 'Studien' 
unternommen, bevor ich studierte. Welche Menschen tragen welche Plastik 
Tüten, welche Plastik Tüten werden bevorzugt, wie werden sie benutzt und
 was sagen sie über ihre Träger aus", erzählt die Autorin.
Sie 
durchleuchtet das Wesen des Plastiksackerls gründlich und behandelt folgende Aspekte: Von Erdöl zu Kunststoff, Werbung, Wirtschaft, Menschen, die Plastiktüte als Ikone 
unseres Alltags, "Shopperholic", Sein oder Schein, Konsumieren und 
Tourismus...
... Nationalflower, Müll, das Leiden der Tiere, Recycling als 
Lösungsversuch, die Plastiktüte
 als Mythos und fester Kulturgegenstand. Die Bilder im Buch spannen sich von Müllbergen über Plastiktaschen-Design bis zur oft letzten Ruhestätte des Sackerls als schwebendes Etwas im Ozean - sofern es nicht im Magen eines Meerestieres landet.
Alltagsobjekt PlastikTüteIda-Marie CorellReihe: Edition Angewandte300 Seiten, 300 Abbildungen in Farbe34,95 Euro
(red, derStandard.at, 10.07.2011)

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