Immobilien › Wohnbau

Das Diktat der leeren Kassen: viel zu wenige Wohnungen

Claudia Ruff
28. Juli 2011, 17:45
Im ersten Quartal 2011 gab es um 80 Prozent weniger Ausschreibungen als im Vorjahr. Laut Sozialbau fehlt es vor allem an Grundstücken

Wien - Die Situation in der heimischen Bauwirtschaft ist nicht berauschend. Heuer sei das Jahr des Atemholens, meint etwa Porr-Chef Karl-Heinz Strauss: "Es fehlt am Geld der öffentlichen Hand für Investitionen." Um die Situation zu veranschaulichen, bringt Strauss ein drastisches Beispiel: Im ersten Quartal 2011 sank die Zahl der Ausschreibungen für neue Projekte seitens der heimischen Kommunen österreichweit um 80 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Mit den Folgen kämpfen vor allem die lokalen Professionisten vor Ort in den Ländern, denen es an Aufträgen mangle. Für das zweite Halbjahr erwartet Strauss aufgrund der allgemeinen Verunsicherung abermals eine Verlangsamung des Bauwachstums.

Geförderter Wohnbau stagniert

In Wien, Niederösterreich und der Steiermark stagniere der geförderte Wohnbau, so die Erfahrung des Porr-Chefs. In Kärnten, Oberösterreich, Salzburg und Tirol sank der soziale Wohnungsbau heuer gegenüber 2010 aufgrund der budgetären Engpässe. Nischen wie der private, nichtgeförderte Geschoßwohnbau boome zwar, aber dieser könne die Ausfälle im geförderten Bereich bei weitem nicht wettmachen.

Von einer dramatischen Situation am Wiener Wohnungsmarkt berichtet auch Sozialbau-Chef Herbert Ludl. Wiens größte Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft habe heuer um ein Drittel mehr Vormerkungen als 2010 und "viel zu wenige Wohnungen". Mangels Förderung und geeigneter Grundstücke könne die Sozialbau heuer um rund 13 Prozent weniger Wohnungen bauen als 2010.

Grundstückspreise als Hauptproblem

So gab es heuer noch keine Neubauzusicherung, sagt Ludl. Als Antwort auf die ausbleibende Wohnbauförderung hat Wien im Frühling die Wohnbauinitiative "Call" ins Leben gerufen. Abseits des Budgets nimmt sich die Stadt am Kapitalmarkt Geld auf und reicht dieses mit einem geringen Aufschlag um knapp vier Prozent an die Bauträger weiter. Mit dem Geld sollten rund 3000 Wiener Wohnungen errichtet werden.

Laut Ludl sind die explodierenden Grundstückspreise eine der Hauptprobleme der Förderung. Die Grenzen für die Grundstückspreise seien mit maximal 230 Euro/m2 erzielbarer Nutzfläche nicht mehr marktkonform. Die Alternative: Entweder man verzichtet auf die Förderung oder man kauft Grundstücke und hofft auf eine Widmung auf Bauland. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.7.2011)