"Fernsehen wird in Zukunft die Super-App sein"

28. September 2011, 08:37

Private gegen Werbung auf ORF-"TVthek" und mehr TV-Werbung

Fernsehen lebt, und das wird auch noch lange so bleiben. Darin waren sich Fernsehmacher am Dienstag bei den Österreichischen Medientagen einig. "Wenn das Fernsehen tot sein sollte, dann ist es seit 20 Jahren eine relativ lustige Leich'", meinte etwa ATV-Geschäftsführer Ludwig Bauer. Immer mehr Spartenkanäle würden lanciert und die Fernsehnutzung steige. Ein wesentlicher Grund dafür ist laut Puls 4-Chef Markus Breitenecker die "bessere technische Qualität" durch neue TV-Geräte und hochauflösendes Fernsehen. "Fernsehen wird in Zukunft die Super-App sein", so Breitenecker.

Kathi Zechner "Zukunft des Fernsehens"

Franz Manola, im ORF für HD-Fernsehen zuständig, hat "die Zukunft des Fernsehens bereits gesehen: Sie heißt Kathi Zechner und wird die Fernsehlandschaft die nächsten fünf Jahre in Österreich bestimmen." Auch Manola ortet einen Fernseh-Boom. In den USA gebe der durchschnittliche Haushalt 120 Dollar pro Monat für Fernsehen aus. Und in Österreich hätten in den vergangenen Jahren Millionen Haushalte neues modernes Fernseh-Equipment gekauft. Das Investment in Internet-Produkte betrage die Hälfte von dem, was für TV-Produkte ausgegeben wird. Auch inhaltlich sei auf Fernsehen Verlass, meinte Manola mit Hinweis auf die jüngste Tsunami- und Atomkatastrophe in Japan. Während Handys und Internet ausgefallen waren, war das japanische Fernsehen das einzige Medium, das fähig war, nationale Katastrophenpläne zu kommunizieren.

"Content ist immer noch King"

Auf die hohe Bedeutung von Inhalten wies auch Kai Mitterlechner, Österreich-Geschäftsführer des Bezahlsenders Sky, hin. "Content ist immer noch King. Deshalb ist uns auch nicht bange vor den Protagonisten der neuen Medienwelt. Fernsehen hat weiter seine Daseinsberechtigung." Sky habe in den vergangenen Monaten vor allem auf die Bereitstellung der Programm in HD gesetzt.

Kritik seitens Privatsender

Kritik an den Rahmenbedingungen des dualen Rundfunksystems in Österreich kam von den privaten Sendern. Man müsse in einem kleinen Markt wie Österreich schon auch dafür sorgen, dass private Anbieter überleben können, forderte Puls 4-Chef Breitenecker. Er äußerte die Sorge, dass der ORF den Wettbewerb demnächst noch mehr verzerre, wenn auch die Internet-Plattform "TVthek" mit Werbung bespielt werde. ATV-Chef Bauer bezeichnete ein solches Vorhaben als "Sündenfall". Der "zweite Sündenfall" wäre laut Bauer eine Ausdehnung der TV-Werbezeiten im ORF mit dem Argument einer Morgen-Info-Schiene. "Das zerschießt den Markt. Da brauchen wir uns dann nichts mehr überlegen, weil da ist es dann auch irgendwann zu Ende."

Herausforderung Urheberrecht

Dem Antritt der künftigen ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner sehen die Privaten indes gelassen entgegen. Bauer: "Wir haben keine Angst: weder vor Kathrin Zechner, noch vor der technischen Entwicklung. Wir hauen jetzt einen Sender nach dem anderen raus. Im Dezember startet ATV 2." Medien-Staatssekretär Josef Ostermayer sagte den versammelten TV-Machern zu, dass es seitens der Medienpolitik gelte, das duale Rundfunksystem zu erhalten. Mit dem reformierten ORF-Gesetz und dem Abschluss des EU-Verfahrens zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen. "Spannendste Herausforderung" für den Gesetzgeber ist laut Ostermayer aber das Thema Urheberrecht, das wohl nur europäisch beziehungsweise international geregelt werden kann. (APA)

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