Proteste gegen Finanzindustrie

11. Oktober 2011, 13:08
In der US-Motropole mit einer der weltgrößten Optionsbörsen kam es nach New Yorker Vorbild zu Protesten, es gab mehrere Festnahmen

Chicago - Nach dem Vorbild der "Occupy Wall Street"-Proteste in New York sind am Montag Tausende Menschen in Chicago gegen die Wirtschaftspolitik der US-Regierung und die Macht der Banken auf die Straße gegangen. Bis zu 3000 Demonstranten versammelten sich nach Polizeiangaben im Finanzviertel der Millionenmetropole sowie vor einem Luxushotel, in dem eine Börsenkonferenz abgehalten wurde. Sie riefen "Wir sind die 99 Prozent!" und hielten Schilder mit der Aufforderung "Löst die Notenbank auf!" hoch. "Wir wollen zeigen, welche Rolle die Finanzindustrie gespielt hat", sagte ein Demonstrant. "Es ist an der Zeit, ihnen mitzuteilen, wie sehr sie uns wehtun."

Die Demonstration unter dem Slogan "Stand Up Chicago" wurde von Lehrern, Gewerkschaftsmitgliedern und Kirchenvertretern organisiert. Es kam zu 27 Festnahmen. Für die nächsten drei Tage sind weitere Proteste in Chicago geplant. Chicago ist Standort der CME , einer der weltgrößten Optionsbörsen, sowie der CBOE . Die Organisatoren der Demonstrationen in Chicago fordern die Besteuerung von Finanztransaktionen an diesen beiden Marktplätzen. Mit den Steuererträgen von geschätzt rund 1,4 Milliarden Dollar könnten 40.000 Arbeitsplätze geschaffen werden, schrieben sie in einer Stellungnahme.

Polizei löst Zeltlager in Chicago auf

Dutzende Nachahmer der Protestaktion sind in Boston (US-Staat Massachusetts) festgenommen worden. Bis zu 700 Polizisten hätten in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit) ein Zeltlager Hunderter Protestler in einem öffentlichen Park aufgelöst, berichtete der "Boston Herald" auf seiner Onlineseite. Den Festgenommenen würden Teilnahme an einer unerlaubten Versammlung und der Aufenthalt in einem städtischen Park außerhalb der Öffnungszeiten vorgeworfen.

Die Proteste haben ihren Ursprung in New York. Dort ruft das Netzwerk "Occupy Wall Street" seit Mitte September regelmäßig zu Demonstrationen im Bankenviertel der Finanzmetropole auf. Auch in Washington und Philadelphia kam es zu Aktionen gegen die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und eine ungleiche Verteilung von Wohlstand. Am Samstag sollen die Proteste dann in Deutschland ankommen. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac hat zu einer Protestkundgebung vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main aufgerufen. In Berlin wollen Demonstranten vor das Bundeskanzleramt ziehen. (Reuters)