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"Might & Magic: Heroes 6": Meditativ durch Fantasykitsch

15. Oktober 2011, 11:48
Die Spiele der Heroes of Might and Magic-Reihe gehören zu den allerberuhigendsten

Manche Spiele sind einfach beruhigend. Und zu den allerberuhigendsten gehören jene der Heroes of Might and Magic-Reihe, dessen namensumgestellter Nachfolger Might and Magic: Heroes 6 gerade erschienen ist.

Fantasy-Klischees

Zu viel Innovation wäre bei der Spielreihe ausnahmsweise kontraproduktiv: Die Fantasy-Klischees der strahlenden Überhelden, kampfaffinen Orks und grün leuchtenden Skeletten dürfen jeglichen kreativen Mut verweigern, die Handlungsgebilde sind nebensächlich und konservieren die Schemenhaftigkeit alter Computerspieltage. Das passt schon so. Hier wird die kalmierende Wirkung des ewig Bekannten angezapft. Hier wird eine Blase bereitgestellt, in der sich nachtwache Spieler wohlig einnisten. Zeit gilt hier nicht viel. Der weltfliehende Geist darf beim Spielen ruhen, ohne dass ihn hohe Komplexität, origineller Anspruch oder sonstige Verwirrung tangiert.

Wach bleiben, Tee trinken

Runde für Runde geleitet man seinen überaus epischen Helden über eine Landkarte aus märchenhaften Miniaturen, sammelt Rohstoffe, Ausrüstung und Artefakte und baut Städte aus, um Soldaten zu produzieren. Natürlich muss sich der Held am Schlachtfeld beweisen und seine Armeen auf einem schematischen Spielfeld dem Multiplayer- oder Computergegner gegenüberstellen. Die einfache Taktik in einem harmlosen Umfeld, ergänzt mit netter Musik, ergab etwa im legendären dritten Teil den perfekten Begleiter für Abende, von denen man nicht viel erwartet außer wach bleiben, Tee zu trinken oder einen Kübel Gummibären oder sonst was zu konsumieren. Der Rest ist Versinken in der Meditation, die ein auf Langsamkeit und Harmlosigkeit ausgerichtetes Spielkonzept bereitstellt.

Spielkonzept

Die Entwickler müssen nur das Kunststück vollbringen, das Spielkonzept möglichst unangetastet in die "Erneuerung" zu führen. Und, hurra, es ist wieder gelungen. Da wurde zwar ein bisschen was weggenommen (weniger Rohstoffe), dort ein wenig dazu gegeben (Rollenspiel-Elemente, optischer Aufputz), die alte Stimmung, die noch den Geist der frühen Computerspielgeschichte atmet, ist aber wieder da. Black Hole / Ubisoft für PC, ab 16 Jahren, ab ca. 40 Euro (Alois Pumhösel/ DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2011)

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