CO2-Ausstöße steigen schneller denn je

4. November 2011, 14:51

Weltweiter Anstieg um sechs Prozent in einem Jahr - Rasantes Wachstum von Kohlekraftwerken, die mit Klimaschutzgeldern gefördert werden

Wien - Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid ist im vergangenen Jahr angestiegen wie nie zuvor. Das geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des US-Energieministeriums hervor. Die Steigerung entspricht dem Bericht zufolge einem Plus von sechs Prozent und übertrifft selbst die pessimistischsten Szenarien, vor denen Experten vor vier Jahren gewarnt haben.

512 Millionen Tonnen betrug der Zuwachs von 2009 auf 2010 – angesichts dieser Zahlen sprach Professor Gregg Marland von der Appalachian State University, ein früherer Mitautor der Studie, von einem "Monster-Anstieg". Am stärksten verantwortlich für den Anstieg des CO2-Ausstoßes sei die steigende Zahl von Kohlekraftwerken, vor allem in Indien und China, erklärt der Klimaexperte Johannes Wahlmüller: "Angesichts dieser Erkenntnis ist es ein Skandal, dass über den internationalen Handel mit CO2-Zertifikaten zunehmend auch Klimakiller wie Kohlekraftwerke finanziert werden."

Kohlekraftwerke beantragen Klimaschutzgelder

Auch Global 2000 warnte in einer Aussendung am Freitag vor der Finanzierung von Kohlekraftwerken mit Klimaschutzgeldern. Laut der Umweltorganisation haben derzeit 45 Kohlekraftwerke Klimaschutzgelder aus dem UNO-Programm beantragt. Sechs dieser Anträge wurden bereits genehmigt.

Diese Kraftwerke hätten Gelder aus dem UN-Klimaschutzprogramm "CDM" in Höhe von 600 Millionen Euro sowohl von Privatunternehmen als auch von EU-Regierungen erhalten. Möglich werden die Millionenzuschüsse, weil die Projektwerber laut Global 2000 angeben, ohne die Klimaschutzgelder Kraftwerke mit noch schlechterem Wirkungsgrad und höheren Emissionen zu bauen.

Gleichzeitig würden über diese Projekte CO2-Gutschriften lukriert, die sich Unternehmen und Staaten zum Beispiel in Europa anrechnen lassen können. "So werden nicht nur klimaschädliche Kohlekraftwerke subventioniert, sondern auch noch massenhaft CO2-Gutschriften generiert, die sie sich für eigene Zielverfehlungen anrechnen lassen können - das ist pervers," so der Experte.

Keine Fälle aus Österreich bekannt

In Österreich seien zwar noch keine Fälle bekanntgeworden, in denen der Staat oder Unternehmen CO2-Zertifikate aus solch eindeutig klimaschädlichen Projekten bezogen haben, dennoch wollen die Umweltschützer Taten sehen: "Bevor auch in Österreich Fälle bekanntwerden, soll sich Umweltminister Berlakovich gleich für ein Verbot von diesen Zertifikaten einsetzen. Letztes Jahr wurden bereits fragwürdige Projekte aus dem internationalen Kohlenstoff-Markt verbannt, das muss jetzt auch mit Kohle-Projekten gelingen", fordert Wahlmüller.

Mitarbeiter des US-Energie-Ministeriums machen aber auch die generell verbesserte Wirtschaftslage 2010 mitverantwortlich. Nach absoluten Zahlen sei China derzeit der Hauptverursacher von CO2, gefolgt von den USA und Indien. (APA/red)

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