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Karriereentscheidungen: Wo gibt's was zu holen?

18. November 2011, 18:58
Sich im Unternehmen hinaufarbeiten oder schwuppdiwupp den Unternehmenspartner zu wechseln

Zukünftige Geldströme spielen nicht nur für die heutzutage bis zur Unerträglichkeit strapazierten Märkte eine Rolle, sondern auch für individuelle Karriereentscheidungen. Bleiben oder gehen, im Unternehmen sich hinaufarbeiten oder beim Pas de deux schwuppdiwupp den Unternehmenspartner zu wechseln, in krisensicheren, aber faden Branchen (gibt's die überhaupt noch?) stetig Einkommen kumulieren oder sich auf die Einkommens-Achterbahnfahrt volatiler Sektoren begeben - all das will wohlerwogen sein, wenn es langfristig ums Geld geht.

Pro und Kontra

Eine diesbezüglich vielleicht noch zentralere Entscheidung ist: angestellt oder selbstständig? Argumente gibt es ja für beides. Für abhängige Beschäftigung spricht u. a., dass insbesondere zu Beginn beruflicher Laufbahnen die Organisationen das Anfangsinvestment übernehmen. Bei Selbstständigkeit gibt es das nicht. Umgekehrt sind Selbstständige besser in der Lage, durch größeren persönlichen Einsatz - z. B. längere Arbeitszeiten, höheres Engagement - mehr Einkommen zu generieren. Eine unlängst auf der jährlichen Tagung des Arbeitskreises Empirische Personal- und Organisationsforschung vorgestellte Analyse der Situation in Deutschland seit 1984 zeigt bei einem repräsentativen Sample ein konsistentes Bild:

  • Das durchschnittliche monatliche Einkommen der Selbstständigen ist ebenso wie das der unselbstständig Erwerbstätigen preisbereinigt seit 1984 um rund 500 Euro gestiegen, wobei die Selbstständigen 2008 im Schnitt ca. 3900 Euro, die abhängig Beschäftigten um die 3000 Euro monatlich verdienten.
  • Interessant sind Veränderungen, wenn man nicht den Durchschnitt, sondern den Median betrachtet, d. h. den Punkt, an dem sich die analysierte Gruppe "in die Hälfte teilt" - ein Maß, das hilft, den Effekt von Ausreißern auf den Mittelwert zu verringern. Die Einkommensdifferenz verringert sich auf rund 500 Euro, und auch der Median sinkt auf rd. 3000 (selbstständig) und 2500 (abhängig beschäftigt). Bei den Selbstständigen hat sich dieser Wert seit Mitte der 1980er kaum verändert, bei den abhängig Beschäftigten ist er erkenntlich gestiegen (Basis 1984 ca. 2100).
  • Ganz spannend wird es bei der Analyse des Einkommens bezogen nicht auf den Monat, sondern auf die geleisteten Arbeitsstunden, d. h. Einkommen pro Arbeitsstunde. Zwar gibt es nach wie vor eine Differenz beim Mittelwert (ca. zwei Euro über die Jahre). Allerdings deckt sich der Wert des Medians beider Gruppen seit einem Vierteljahrhundert fast vollständig und bewegt sich auch über die Jahre hinweg parallel (1984 ca. zwölf, 2008 ca. 15 Euro).

Was sagt uns das? Erstens: Es gibt bei den Selbständigen eine größere Zahl von Spitzenverdienern. Zweitens: Wenn man diesen 'Sondereffekt' wegrechnet, bleibt absolut gesehen noch immer ein Einkommensvorsprung der Selbständigen übrig. Drittens: Gemessen an der eingesetzten Zeit aber verdient man - von den wenigen "Auserwählten" abgesehen - in beiden Bereichen ungefähr gleich viel. Bleibt nur mehr: Faites vos jeux! (Wolfgang Mayrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.11.2011)

WOLFGANG MAYRHOFER ist Professor für BWL an der WU Wien. Kontakt: wolfgang.mayrhofer@wu.ac.at

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Kolumne zu diesem Thema: Selbstständigkeit: Abhängig oder anders

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Die Ergebnisse basieren auf Arbeiten im Vienna Career Panel Project, einer Arbeitsgruppe an der WU Wien zur Karriereforschung: www.vicapp.at