Parken wie in Barcelona

10. Jänner 2012, 19:27
Überwachung von Anrainer-Stellplätzen wird schwierig

Wien - Der oft mühsamen Parkplatzsuche in den Bezirken Mariahilf, Neubau und Josefstadt soll Einhalt geboten werden: Künftig stehen zehn Prozent der Parkplätze in ausgesuchten Grätzeln nur mehr Anrainern zur Verfügung. "Wir haben uns die Idee in Barcelona abgeschaut, wo jetzt wesentlich bessere Platzverhältnisse herrschen", erklärt der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch.

Das Pilotprojekt startet voraussichtlich im Frühjahr: in Mariahilf rund um das Raimundtheater, in Neubau im Bereich Spittelberg sowie rund um das Theater in der Josefstadt. Die ausgewählten Zonen werden mit den Hinweisen "Parken verboten - ausgenommen Anrainer" ausgeschildert. Wer kein Parkpickerl aus dem Bezirk hat und sich trotzdem auf einen der Plätze stellt, muss mit einem Strafzettel rechnen.

Der Wunsch nach Veränderung des Status quo sei bei den Bewohnern des achten Bezirks immens gewesen, heißt es aus dem Büro von Bezirksvorsteherin Veronika Mickel (VP). Jeder, der schon einmal dort Parkplatz suchen musste, wisse ein Lied von dem Elend der Anwohner zu singen.

Haken

Der grüne Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger freut sich zwar über die Initiative in Neubau, kritisiert aber, dass nur zehn Prozent der Parkplätze für Anrainer reserviert werden: "Das ist ein Nachteil. Ebenso wie die Kontrolle einen Haken hat: Jeder mit Parkpickerl aus dem Bezirk kann auf den Anrainerplätzen sein Auto abstellen, auch wenn er in einem anderen Abschnitt wohnt."

Das werde sich allerdings einpendeln, so Blimlingers Hoffnung. "Aus Logik: Jeder kurvt doch lieber noch einmal um seinen eigenen Block, bevor er weit weg von zu Hause parkt."

Der ÖAMTC äußerte sich zuletzt skeptisch, ob Anrainerstellplätze das Platzproblem tatsächlich lösen können.

Auch in Innsbruck gibt es eigene Parkplätze für Anrainer. Nach einem Jahr soll das Projekt evaluiert werden und bei Erfolg auf andere Bezirke und Abschnitte ausgeweitet werden. Die grüne Verkehrsstadträtin stellte das Modell bereits im Sommer 2011 vor. Ursprünglich hatte sich die SP gegen die Idee verwahrt ("öffentlicher Raum für Privilegierte").

Parkpickerl-Frage ungelöst

In puncto Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung heißt es vorerst abwarten. "Noch läuft die Entscheidungsfindung in den Bezirken 10 bis 19, wo die Einführung von Parkpickerln gewünscht ist", sagt der erst Ende Dezember ernannte Parkpickerl-Koordinator Leopold Bubak, Leiter der MA 65. Spätestens im Februar soll aber klar sein, ob, wo und wann das Parkpickerl in zusätzlichen Bezirken kommt. (Julia Herrnböck. DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)

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