Die große Schlange Nimmersatt

1. Februar 2012, 17:32
Einst exotische Haustiere von US-Bürgern, fressen asiatische Pythons fast alles, was ihnen unterkommt - Waschbären und Kaninchen gibt es kaum noch

Miami/Wien - Die Bedingungen im Everglades-Nationalpark in Florida sind geradezu ideal: feuchtwarme, tropische Sümpfe und ein äußerst bunter Speiseplan. Der Tigerpython, eigentlich im südostasiatischen Burma beheimatet, fühlt sich hier besonders wohl. Etwas zu sehr, denn seine Gefräßigkeit und nahezu explosionsartige Vermehrung bedrohen die übrigen Bewohner des US-amerikanischen Sumpfgebietes.

Mehr als 300 Vogel- und Fischarten leben hier, dazu kommen rund 50 Reptilien- und Säugetiere. Doch die Riesenschlangen- Plage hat gefährliche Ausmaße erreicht. Forscher schlagen Alarm: Selbst ordinäre Kleintiere wie Kaninchen oder Opposums sollen so gut wie verschwunden sein.

Population auf mehrere Zehntausend gestiegen

Einst als exotische Haustiere in die USA gebracht, wuchsen die Schlangen vielen Besitzern regelrecht über den Kopf: Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert berichten von Exemplaren mit neun Metern Länge, üblicherweise erreicht der Dunkle Tigerpython immer noch stattliche vier Meter. Ausgesetzt und ausgebüxt lebten sich die Exoten schnell in den Everglades ein.

Mittlerweile soll ihre Population auf mehrere Zehntausend angewachsen sein. Zehntausende, hungrige Würgeschlangen - macht auf der anderen Seite einen Rückgang der Waschbärsichtungen um 99, 3 Prozent. Weil die Kleintiere schon fast alle verputzt sind, macht sich die Riesenschlange nun auch über Hirsche oder Alligatoren her.

"Bioinvasoren"

"Bioinvasoren" heißen die fremden Eindringlinge, die ganze Ökosysteme ins Ungleichgewicht stürzen können. Vor allem das von Menschen verursachte Einschleppen ist problematisch: Theoretisch kann heute jeder Tourist - beabsichtigt oder nicht - eine Bioinvasion auslösen. So hat die asiatische Tigermücke bereits 70 Fälle von Malaria auf europäischen Flughäfen ausgelöst, ohne dass die Erkrankten jemals in Malariagebieten unterwegs waren.

Ein besonders krasses Beispiel ist die Fauna von Neuseeland. Gab es ursprünglich bis auf Fledermäuse keine Säugetiere, änderte die Einfuhr von Possums und Konsorten durch die Engländer (1837 zum Aufbau einer Fellindustrie) das ökologische Gleichgewicht: 80 Prozent der Pohutukawa-Bäume sind den Nagern bislang zum Opfer gefallen. Außerdem ernähren sie sich von Vogeleiern und Jungvögeln, was vor allem die Kiwi-Liebhaber an den Rand der Verzweiflung bringt. Als Tuberkulose-Überträger für Rinder und Schafe sind sie bis heute nicht rasend beliebt bei den Neuseeländern. Die machen sogar Burger aus ihnen.

Hierzulande vertreibt der asiatische Marienkäfer das heimische Exemplar. In den 1990er-Jahren zur Blattlausbekämpfung nach Europa importiert, ist sein Siegeszug kaum mehr aufzuhalten. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2012)

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