Eduards ewige Fahrt im Eis

9. Februar 2012, 18:42
Die Besatzung des Eisbrechers MS Eduard im Linzer Hafengebiet hat wohl derzeit einen der coolsten Jobs im Land

Täglich grüßt die Scholle: Erst wenn das Eis gebrochen ist, können sich Schiffe und Wasser wieder vorsichtig annähern. 

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Linz - Peter und Eduard kennen einander seit mehr als 20 Jahren. Man ist ein eingespieltes Team. Peter kennt Eduards Schwächen, schätzt aber vor allem seine Stärken: "Mit zweimal 170 PS brummt es richtig, da geht ordentlich was." Muss es auch, denn der Eisbrecher MS Eduard ist angesichts der frostigen Außentemperaturen derzeit im Dauereinsatz.

Jeden Vormittag seit gut einer Woche klettert Kapitän Peter Neuhold auf die Steuerbrücke und bringt den Eisbrecher in Fahrt. Genau genommen erteilt der Kapitän das Kommando. Neuhold: "Der Motor wird mittels Luftdruck gestartet, so 20 Bar. Geht aber nur vom Maschinenraum aus." Ein Fall also für Manfred "Manni" Freiseder. "Ich bin quasi der Matrose. Also der, der sich auf Deck den Hintern abfriert, während der Herr Kapitän im beheizten Steuerhaus sitzt", lacht Freiseder und verschwindet im selben Augenblick im Bauch des Schiffes.

Manche mögen Eis

Noch bildet die gut zwölf Zentimeter dicke Eisschicht im Linzer Hafenbecken eine in der Wintersonne glitzernde Einheit. Für eine Schwanenfamilie wird der morgendliche Ausflug so zum wenig eleganten Spaziergang über die Donau. Schwimmen ist nicht drinnen - weder fürs Federvieh noch für Frachtschiffe.

Doch da gibt's ja noch Peter, Manfred und Eduard. Krachend fräst sich der 22 Meter lange Brecher durch die Eisschicht, zentimeterdicke Stahlplatten am Bug zerlegen mächtig Gefrorenes in eisiges Treibgut. Unerfahrene Passagiere beschleicht spätestens jetzt Unbehagen. Hält der Kahn das aus? 57 Jahre sind auch in Schiffsjahren eine ganze Menge. Der Kapitän beruhigt: "Eduard ist hart im Nehmen. Man muss die Eisplatte im geraden Winkel ansteuern. Sonst kann sich eine Scholle in der Schraube verfangen."

Gerade drauflos

Also immer gerade darauf los, dann kann nichts passieren. Doch bevor sich unter den Landratten Gelassenheit breitmacht, setzt Neuhold nach: "Beim Eisbrecher ist es so, dass das Schiff meist mit dir fährt und nicht umgekehrt. Das Eis bestimmt den Weg." Die Beruhigung an Deck verflüchtigt sich mit der nächsten Atemwolke.

Drei Stunden ist die MS Eduard jeden Vormittag unterwegs, gut 45 Hektar gilt es zu durchpflügen. Ab einer Eisdicke von über 20 Zentimetern ist für die MS Eduard aber Schluss. Im Sommer wandelt sich der Eisbrecher übrigens zum Ausflugsschiff für Donau-Touristen.

Harte Männer, weiche Haut

Kurze Arbeitspausen werden zur Hautpflege genutzt. Da stehen dann harte Männer mit Händen, groß wie Suppenteller, im eisigen Wind - und reichen sich ein Cremedöschen: "Das ist bei dieser Kälte enorm wichtig."

Doch für die Mannschaft vom Eisbrecher kündigt sich leichte Entspannung an. Die Kälte lässt nämlich in den kommenden Tagen etwas nach: Obwohl die Frühtemperaturen weiterhin zweistellige Minuswerte erreichen, wird es etwas milder als zuletzt. Am Dienstag dürfte die Höchsttemperatur voraussichtlich plus zwei Grad betragen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 10.2.2012)

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