Im CeBIT-Partnerland Brasilien boomt die IT-Branche

5. März 2012, 10:56
Die großen Computerkonzerne haben das Schwellenland längst im Blick

Das Partnerland der CeBIT 2012, Brasilien, steckt mitten im IT-Boom. Das fünftgrößte Land der Erde verzeichnet Rekordzuwächse bei Mobiltelefonen, Internet-Zugängen, Breitbandverbindungen und Unterhaltungselektronik. "Die Brasilianer sind jung, kommunikations- und technologiebegeistert", erklärt Oliver Döhne, Brasilien-Fachmann der Gesellschaft für Außenwirtschaftsförderung Germany Trade & Invest (GTAI), in seinem jüngsten Bericht. Ob IBM, Oracle, Cisco oder Telefonica - die IT-Weltkonzerne haben den größten südamerikanischen Einzelmarkt mit seinen rund 190 Millionen Einwohnern längst im Blick.

Nicht zu Unrecht

Nicht zu Unrecht, wie die Zahlen belegen. Schon längst gibt es in Brasilien mehr Handys als Einwohner. 2011 waren es 242,2 Millionen. Allein im vergangenen Jahr kamen 39,3 Millionen hinzu - das war nach Angaben der Nationalen Telekommunikationsagentur Anatel ein Rekordplus von 19,36 Prozent im Vorjahresvergleich. Viele Nutzer haben zwei, drei oder mehr SIM-Karten als Prepaid-Ausführung oder mit Festvertrag. Sie nutzen das nahezu unüberschaubare Angebot der Sondertarife. Auf 100 Brasilianer kommen statistisch gesehen 123,87 Handy-Anschlüsse.

"Das Potenzial von Internet, Mobilfunk und Medien ist enorm", konstatiert die GTAI. Insgesamt haben 63,5 Millionen Brasilianer zu Hause oder auf der Arbeit Zugang zum Internet. Davon nutzten nach einer gemeinsamen Erhebung des Umfrageinstitutes IBOPE und der Firma Nielson Online im Jänner 2012 47,5 Millionen Personen aktiv das Internet. Das waren 11,2 Prozent mehr als im Jänner 2011. Nach Angaben des auf Social Media spezialisierten französischen Unternehmens Semiocast überholte Brasilien mit 33,3 Millionen Twitter-Nutzern inzwischen Japan (29,9 Mio.). Nur in den USA gibt es demnach noch mehr Twitterer (107,7 Mio.).

Technologiezentrum in Südamerika

Microsoft eröffnete im Jänner 2012 in Sao Paulo sein erstes Technologiezentrum in Südamerika und die Telekom-Tochter T-Systems beliefert und betreut besonders die in Brasilien stark präsente deutsche Kfz- und Zulieferindustrie mit Bestell- und Liefersystemen, Buchhaltungssoftware und Verkaufstools, wie der GTAI-Bericht herausstellt. Auch SAP hat den Markt schon lange erkannt. Die Walldorfer Softwarehersteller sind seit 1995 mit drei Büros in Brasilien vertreten (Sao Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte).

SAP verdoppelte seinen Umsatz nach eigenen Angaben in den vergangenen beiden Jahren in Brasilien - mittlerweile steht das Land beim SAP-Umsatzranking auf Platz vier hinter den USA, Deutschland und Großbritannien. SAP liegt bei der Unternehmenssoftware mit einem Marktanteil von 27 Prozent auf Platz zwei. Der Konzern verweist auf Zahlen des Marktforschungsinstitutes Eito, wonach der Markt für Informations- und Telekommunikationstechnologie in Brasilien in diesem Jahr um sechs Prozent auf einen Umsatz von umgerechnet 92 Mrd. Euro wächst.

Unter dem Schlagwort "Smarter City" (Intelligentere Stadt) zeigt IBM auf der CeBIT ein "City Operations Center" für Rio de Janeiro, das Naturereignisse wie Stürme oder Regenfluten 48 Stunden im Voraus präzise vorhersagen soll. Der Hochleistungsrechner "Deep Thunder" arbeitet dafür mit einem speziell entwickelten Modell für die Analyse von Wetterdaten. Zudem werden Informationen aus Computersystemen von Stadt, Polizei und Feuerwehr miteinander verknüpft, um in Notfällen oder Umweltkatastrophen schneller und präziser reagieren zu können. Auch das Management von Großveranstaltungen wie die Neujahrsfeiern an der Copacabana wird mit dieser Plattform unterstützt.

Gemeinsam mit dem brasilianischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MCT) hat IBM außerdem das Portal "Sciencia Cidada" entwickelt: Hier werden Informationen zur nationalen Artenvielfalt ausgetauscht. Die Plattform stellt dafür Werkzeuge zur Zusammenarbeit von Studenten, Wissenschaftlern, Lehrern und Kommunen zur Verfügung. (APA)

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